So, da ist sie also endlich, die langersehnte Reunions-CD einer der wichtigesten Metalbands aller Zeiten. Ich war sehr gespannt darauf - zumal ich die Scheiben mit Ripper nach kurzer Eingewöhnung auch nicht schlecht fand und mich teilweise schon dabei ertappte, dem "Metal God" solche Gesangsleistungen nicht mehr zuzutrauen (Blasphemie ;-)
Priest sind sich einerseits selbst treu geblieben und haben eben nicht die von vielen erwartete Painkiller Blaupause angesetzt, sondern beweisen in einigen Songs echt Mut zum Risiko. Andererseits ist diese Reunionsscheibe nur so mit Zitaten (musikalisch wie textlich) aus der reichaltigen Bandhistorie gespickt - ein Fest für Fans. Die Scheibe hat nach mehrmaligem Hören meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Das gilt sowohl für die Musik als auch für den wirklich göttlichen Gesang von Rob Halford. Aber im Einzelnen:
1. Judas Rising: ein neuer Klassiker - hätte auch auf Painkiller gepasst. Hymnisch, Double Bass ohne Ende, aber eher in gemäßigtem Tempo. Ein absoluter Kanller vor dem Herrn
2. Deal with the Devil: erinnert leicht an "Made in Hell" von Halford, ist aber viel besser. Glenn und KK duellieren sich wie in alten Zeiten - ebenfalls ein Hammersong.
3. Revolution: die von vielen gedisste neue Single. Ich finde den Song obercool - erinnert sehr an die frühen 80er. Coole Rhythmen, geniale Strophe. Allerdings ein wenig zu lang.
4. Worth fighting for: ruhiger, aber toller Gesang von Rob Halford - der Mittelteil erinnert leicht an "You've got another thing coming" - dieser Song wächst mit der Zeit und macht süchtig
5. Demonizer: modernes Geriffe (hätte auch auf Jugulator gepasst), gnadenlose Double Bass, genialer Gesang. Zum Schluß packt Halford die Kopfstimme raus und brüllt, was das Zeug hält (ähnlich wie bei Jawbreaker) - genial, müssen sie live bringen
6. Wheels of Fire: bei den ersten paar mal hören eher unscheinbar macht dieser Song nach und nach süchtig. Simpel, aber Cool. Referenz: Locked & Loaded von Halford
7. Angel: ohne Übertreibung die beste Ballade, die Priest je gemacht haben. Super emotionaler Gesang - klasse. Könnte Diamonds&Rust im Liveset ablösen!
8. Hellrider: hätte ohne weiteres auch auf Painkiller gepasst. Heavy ohne Ende. Genial. Ebenfalls ein Live-Muss. Tipton und Downing spielen sich in eine wahre Solo-Orgie - muss man gehört haben
9. Eulogy: stimmungsvolles, Piano (!) lastiges Intro zu
10. Loch Ness: wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, die Strophe haben sich Priest während des letzten Ozzfests direkt von Meister Iommi komponieren lassen. Doom par excellence. 14 Minuten feinster Finsterrock mit einem oberbombastischen Refrain. Meiner Meinung nach ein weiterer Höhepunkt dieser Scheibe.
Fazit: wer 2005 noch auf traditionellen Metal steht, MUSS diese Scheibe kaufen. Selbst für Priest Verhältnisse ein extrem abwechslungsreiches Album mit überragenden Songs. Dürfte für andere Bands schwer werden, dass zu übertreffen. PRIEST RULES!