Die dritte Staffel von ANGEL - JÄGER DER FINSTERNIS markiert einen Wendepunkt in der Serie. Der Spin-Off der Mysteryreihe BUFFY - IM BANN DER DÄMONEN entwickelt sich allmählich ganz unabhängig von seiner Mutterserie weiter. Das liegt daran, dass die Serien ab diesem Produktionsjahr auf jeweils verschiedenen US-Sendern zu sehen waren, was eine Ineinanderverwebung erschwert. Der Tod von Buffy wird natürlich verarbeitet, wenngleich dies ohne Anwesenheit von Charakteren aus der Mutterserie geschieht. Amy Acker als verschüchterter und liebenswerter Bücherwurm Fred, den man im zweiten Staffelfinale kennengelernt hat, wird ins Stammcast aufgenommen und die Rolle des wortwitzigen Lorne ausgeweitet. Der grüne Dämon mit den roten Hörnern hilft den Hauptfiguren nun intensiv bei der Bearbeitung ihrer übernatürlichen Fälle. Die Gruppendynamik wird aber nicht nur durch die Neuzugänge auf den Kopf gestellt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen verändern sich gravierend und nehmen fast epische Ausmaße an: Die süße Fred wird nämlich gleichermaßen von Wesley und Gunn verehrt. Nur einer kann das Herz des Genies erweichen. Angel und Cordelia sehen sich mit ihren Gefühlen zueinander konfrontiert, können aber kaum zusammen darüber reden, da ihnen übernatürliche Hindernisse in den Weg gelegt werden. Auf einmal erscheint Groo, Cordelias Love-Interest vom Ende der zweiten Staffel, auf der Bildfläche und lenkt sie ab. Angel sieht Vaterfreuden entgegen und sein Fokus gilt nun seinem Baby Connor. Aber genug von der skizzenhaften Inhaltsangabe, das ereignisreiche Staffelende läuft nämlich in Zusammenhang mit seinem Sohn ab. Man sollte am besten selbst sehen, wie die Geschichte ausgeht. So viel sei gesagt: Verrat und Kummer spielen eine wesentliche Rolle dabei. Man merkt schnell, dass ANGEL - JÄGER DER FINSTERNIS in eine ganz andere Richtung verläuft und zunehmend düsterer erscheint und damit ist nicht der erwachsene Grundton der Serie gemeint. Die cleveren und gewitzten Dialoge hellen das dunkle Storygeflecht der 22 Episoden nur noch gelegentlich auf.
Von ANGEL - JÄGER DER FINSTERNIS gibt es mittlerweile drei DVD-Editionen. Die Erstausgabe teilte jede Staffel in zwei Boxen mit je drei DVDs und war sogar als aufklappbares Digipack erhältlich. Die
zweite Edition enthielt jeweils eine komplette Staffel mit sechs Discs in einer Großhülle mit Schuber. Letzterer wurde später wohl aufgrund von Produktionskosteneinsparungen weggelassen, genauso wie das Begleitheft. Die bislang letzte vorliegende DVD-Version enthält wieder eine komplette Staffel, jedoch wurde das Design hierbei komprimiert. Es gibt nur noch ein Cover, je Staffel nur in einer anderen Farbe, vom gutaussehenden Hauptdarsteller ist nichts mehr auf dem Titelbild zu sehen. Die Hülle ist nur noch so groß wie die einer typischen Filmveröffentlichung. Alle sechs Discs teilen sich einen einzigen Disc-Teller und sind somit übereinander gestapelt, ganz anders als in der damaligen Großhülle, wo man jede Scheibe separat entnehmen konnte. Ich kann allen Interessenten wirklich nur ans Herz legen, sich die zweite Edition zuzulegen, weil diese optisch mehr hermacht und sie aufgrund der Disc-Platzierung praktischer ist. Die spartanisch wirkende Neufassung erhält von mir deshalb einen Stern Abzug an der Gesamtwertung.
Bild und Ton überzeugen auf ganzer Linie. In 16:9 gehalten, bietet das Bild erstklassige TV-Unterhaltung auf Breitwandfernsehern ohne an Qualität einbüßen zu müssen. Das Bonusmaterial ist für einen Spin-Off äußerst üppig. Auf der letzten Disc erhält man zum Beispiel einen halbstündigen Gesamtüberblick auf die Staffel mit Stellungnahmen der Hauptdarsteller. Screentests von zwei Neuzugängen geben einen Einblick ins Casting für die verschiedenen Rollen. Außerdem bekommt man nicht gezeigte Szenen auf anderen DVDs zu sehen.
Wie sollte man ANGEL am besten schauen - im englischen Original oder in der deutschen Synchronisation? Das sollte jeder für sich entscheiden. Im Englischen werden unter anderem Anspielungen an die amerikanische Popkultur getätigt, die in der deutschen Synchronisation der Verständnis halber verfälscht wurden. Allerdings ist das Original nicht gerade anspruchslos, vom britischem Akzent (Wesley) bis zum Schnellsprecher (Gunn) ist so ziemlich alles dabei. Mit der Synchronisation wurde sich meiner Meinung nach ziemlich viel Mühe gegeben um die cleveren Wortgefechte so gut es geht sinnbildlich ins Deutsche zu übertragen. Es hängt lediglich davon ab, wie stark geschult man im Englischen ist und wie viel man über die Popkultur der Amerikaner Bescheid weiß, um das Original ohne Vorbehalte genießen zu können.
Fazit: ANGEL - JÄGER DER FINSTERNIS wird in der dritten Staffel von Folge zu Folge spannender und befindet sich am Ende in beinahe absoluter Dunkelheit. Dieses Jahr ist das vielleicht beste der fünf Seasons umfassenden Mysteryserie, die immer ein wenig im Schatten zu ihrer genialen Mutterserie steht. Von Inhalt und Ausstattung der DVDs hätte das Set vier Sterne verdient. Aufgrund der unpraktischen und im schlimmsten Falle sogar Disc beschädigenden DVD-Halterung bekommt es jedoch einen Stern Abzug.