ANGEL EXPRESS ist der erste Langfilm aus dem Hause erdbeermundfilm, vom Regisseur RP Kahl, einem Garanten für anspruchsvolles Independent-Kino, das gleichzeitig großen Spaß macht. So beobachtet dieser Erstling lakonisch-lässig das ambivalente Treiben des Berliner Szene-Volks zwischen (kreativer) Erfüllung und (emotionaler) Leere, zwischen der Hoffnung auf Liebe und dem schnellen Kick. Dabei spielt der Regisseur sowohl auf den amerikanischen Kultroman ?American Psycho? (der von Kahl selbst gespielte Protagonist heißt Patrick Bateman) als auch auf europäisches Autorenkino à la Godard an. Genau dadurch gelingt dem Film eine bestechende Mischung aus düsterem Gesellschaftsportrait und humorvoller Selbstreflektion.
Die fünf Hauptfiguren schlafwandeln durch Berlins Nachtleben, ihre Geschichten werden episodenhaft verschachtelt, der Beat der Musik gibt den Rhythmus an, es existiert keine Linearität in diesem Film ? wie im modernen Großstadtleben. Und trotz der offensichtlichen Einsamkeit dieser Menschen blitzt hier und da ein Humor auf, der diese Leben selbstironisch belächelt und doch nie verrät. Denn sie alle sind hungrig nach Leben. Deshalb ist dieser zunächst kühl wirkende Film gleichzeitig eine liebevolle Hommage an die ?Berlin-Mitte-Szene? der 90er Jahre.