Kurzbeschreibung
Das zentrale Thema dieses Buches behandelt die Begutachtungspraxis zur Frage der Schuldfähigkeit in Deutschland. Neben der Analyse psychiatrisch-psychologischer Hintergründe kriminellen Verhaltens wird der Frage nachgegangen, was die Justiz eigentlich veranlaßt, einen Angeklagten psychiatrisch begutachten zu lassen, einen anderen hingegen nicht. Die Untersuchung von 105 Straftätern und 80 nichtstraffälligen Vergleichspersonen zeigt deutliche extra- und intrafamiliale Sozialisationsdefizite in der forensischen Stichprobe. Auch hinsichtlich psychopathologischer Auffälligkeiten zeigte sich eine fast dreimal so hohe Prävalenz bei den Straftätern. Der Vergleich psychiatrisch begutachteter und nichtbegutachteter Angeklagter hingegen erbrachte jedoch kaum relevante Unterschiede hinsichtlich des Vorliegens psychischer Störungen.
Die Autoren, die sich in den Bereichen Psychiatrie, Psychologie und Kriminologie wissenschaftlich intensiv mit forensischen Fragestellungen beschäftigen, diskutieren Hintergründe und mögliche Konsequenzen der gängigen Begutachtungspraxis. Dieses Buch richtet sich an alle forensisch interessierten, sowohl wissenschaftlich als auch praktisch tätigen Leser.
Über den Autor
Andreas Marneros, Prof. Dr. med. Dr. h. c., geb. 1946 auf Zypern, studierte Medizin in Thessaloniki. Seit 1973 an deutschen Universitäten tätig. 1980 Habilitation, 1983 Berufung zum Professor für Klinische Psychiatrie in Köln. 1985 Berufung auf den Lehrstuhl für Medizinische Psychologie und Allgemeine Psychopathologie an der Universität Bonn. Seit 1992 Lehrstuhlinhaber und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Preisträger des Richard-von-Krafft-Ebing-Forschungspreises für originelle Forschung in forensischer Psychiatrie" und des Emil-Kraepelin-Preises" für seine Psychosenforschung. Gelistet in den Führenden Wissenschaftlern der deutschsprachigen Medizin".