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Angeber haben mehr vom Leben
 
 
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Angeber haben mehr vom Leben [Gebundene Ausgabe]

Matthias Uhl , Eckart Voland
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: 1st Edition. (12. September 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827413702
  • ISBN-13: 978-3827413703
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,1 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 529.333 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Eckart Voland
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Produktbeschreibungen

Spektrum der Wissenschaft

Es erscheint leicht, über Selbstdarsteller und Egoisten zu schreiben. Schließlich liefern die Statussymbole der Nachbarn und das Gehabe von Kollegen die nötigen Steilvorlagen. Weitaus schwieriger ist es, die evolutionären Wurzeln der Angeberei freizulegen. Matthias Uhl und Eckart Voland haben sich dieser Aufgabe gestellt. Beide arbeiten am Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft an der Universität Gießen und kennen sich mit den Konzepten und Theorien der Biologie und Evolutionspsychologie aus. Über "Kosten-Nutzen-Analysen" und Begriffe wie "natürliche und sexuelle Selektion", "offene und verdeckte Botschaft", "demonstrativer Konsum und demonstrativer Müßiggang", "teure Signale" und nicht zuletzt durch das "Handicap-Prinzip" wollen die Autoren verdeutlichen, wie sehr das Erbe der Evolution unser soziales und kulturelles Miteinander bis heute prägt.

Uhl und Voland verstehen unter einem Angeber keineswegs den "vollmundigen, betrügerischen Lügner und Hochstapler". Angeber sind vielmehr "Organismen, die mit Hilfe von zuverlässigen Signalen ihrer Umwelt das Vorhandensein von verborgenen Qualitäten mitteilen". Nur mit diesem Begriff vom "ehrlichen Angeber", der sowohl "den wenig sympathischen Großkotz als auch den sachlich-nüchternen Zurschausteller des Faktischen" einschließt, passt das Buch zum Titel. Nur auf diese Weise lässt sich überhaupt plausibel darstellen, dass ausgerechnet Angeber mehr von Leben haben.

Ausgangspunkt aller Überlegungen ist die "Ökonomie der Natur". Die "schöne Natur" entpuppt sich nämlich bei näherem Hinsehen als "hässlicher Markt". Verschwenderische Fülle wird nur vorgegaukelt, denn das Leben ist von Knappheit gekennzeichnet. Und Mangel führt notgedrungen zu Konkurrenz - mit dem Ergebnis: "Wo es nur einen Gewinner geben kann, werden die meisten Verlierer sein." Die "Gewinnauszahlung" ist immer die gleiche. In der Evolution zählt einzig der gesunde Nachwuchs: "Nicht Überleben ist das primäre Ziel, sondern sich fortpflanzen."

Die ökonomische Rationalität der Evolution macht selbst den "Nutzen des Nutzlosen" noch begreiflich. So erscheint beispielsweise der männliche Pfau zunächst als reines Luxusgeschöpf. Sein Prachtgefieder ist alles andere als effizient; es ist sogar ein Handicap. Denn es bindet Ressourcen, ist bei der Bewegung hinderlich und lockt neben den Weibchen auch Beutegreifer an. Dennoch avanciert das Pfauenrad in diesem Buch zum Paradebeispiel für das Handicap-Prinzip, und sein Träger zur Ikone des erfolgreichen Angebers.

"Offensichtlich", so die Autoren, "führen die natürlichen Umstände nicht dazu, dass sich Lebewesen aufgrund des permanenten Mangels an Ressourcen in reine Nutzenmaximierer verwandeln." Aber warum hat die Evolution das Pfauenrad nicht wegrationalisiert, sondern im Gegenteil immer größer und schöner werden lassen? Die Antwort lautet: Der große Ressourcenaufwand bedeutet einerseits zwar ein Handicap, macht aber andererseits das Pfauenrad zu einer "ehrlichen und fälschungssicheren Botschaft". Dabei ist der Aufwand physiologischer Natur, das Ergebnis jedoch ein soziales - nämlich die erfolgreiche Verpaarung.

Nichts vermag einen potenziellen Sozialpartner besser von den eigenen Vorzügen zu überzeugen als ein teures Signal. Denn nur ein teures Signal ist auch fälschungssicher. Und so gibt der Pfau zuverlässig an: Hier ist ein Individuum in bester Verfassung - eines, dass es sich leisten kann, eine derartige Pracht zu entfalten.

Handicap-Signale spielen offenbar auch in der menschlichen Gesellschaft eine überragende Rolle: "Überall", so die Autoren, "wird mit größtmöglichem Einsatz von Besitz und Fähigkeiten um Sozialpartner und Prestige gekämpft." Die kulturelle Evolution kam überhaupt erst richtig in Gang, als unsere Vorfahren das Angeben entdeckten: "In der Wiege der Kultur lag ein Angeber."

Uhl und Voland betonen, "dass der Handicap-Ansatz in erster Linie nicht deutlich macht, was im Bewusstsein von Menschen vor sich geht, sondern dass er evolutionär entstandene Strategien aufzeigt". Seit der Steinzeit hat sich in Sachen Handicap-Prinzip nichts Neues getan. Trotz "kulturhistorisch neuester Erfindungen" weisen unsere sozialen Signale eine bemerkenswerte "biohistorische Kontinuität" auf.

Wir werden somit zwar als geborene Angeber entlarvt, doch glauben die Autoren, dass die schlichte "Funktionslogik" unserer sozialen Kommunikation "für uns Menschen durchaus keine Schmach sein muss, sondern vielmehr ein Gefühl der Geborgenheit, der Einbettung in die Natur vermitteln kann".

Uhl und Voland argumentieren spannend und unterhaltsam und bestechen darüber hinaus durch humorvolle Frische. Dennoch bleiben Zweifel, ob es sich bei ihrem Buch um eine "ehrliche Angabe" handelt.

Gewiss, die Grundposition der Autoren, dass es sich bei dem, "was wir als Natur bezeichnen, um ein ökonomisch strukturiertes System" handele, ist von beachtlichem heuristischem Wert. Es sei ihnen auch zugestanden, "das Erklärungspotenzial dieses Ansatzes als absolut zentral für das Verständnis alles Lebendigen" zu erachten. Aber in dem Bemühen, Komplexität zu reduzieren, um "die Welt besser handhabbar zu machen", gleiten sie haltlos in den strikten Monismus ab: "Alles in unserer menschlichen Kultur ist Frucht der Mechanismen des Handicap- und des Nützlichkeitsprinzips." Um diesen Satz aufrechtzuerhalten, müssten die Autoren die Leistungen der menschlichen Kultur schon bis zur Unkenntlichkeit uminterpretieren. Rezensent: Reinhard Lassek

Pressestimmen

Es erscheint leicht, über Selbstdarsteller und Egoisten zu schreiben. Schließlich liefern die Statussymbole der Nachbarn und das Gehabe von Kollegen die nötigen Steilvorlagen. Weitaus schwieriger ist es, die evolutionären Wurzeln der Angeberei freizulegen. Matthias Uhl und Eckart Voland haben sich dieser Aufgabe gestellt. Beide arbeiten am Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft an der Universität Gießen und kennen sich mit den Konzepten und Theorien der Biologie und Evolutionspsychologie aus……Uhl und Voland argumentieren spannend und unterhaltsam und bestechen darüber hinaus durch humorvolle Frische. spektrum.de Unterhaltsam, fachkundig und lehrreich. emotion (...) Dem ist eigentlich nur noch hinzuzufügen, dass die Lektüre/das Studium des Buches anregend und vergnüglich ist und wärmstens empfohlen werden kann. Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Die beiden begründen die Bedeutung vom Pfauen und dem menschlichem "Großkotz" so brillant und amüsant, dass die Lektüre - auch wenn man nicht in allem zustimmen mag - zum uneingeschränktem Vergnügen gerät. Gießener Allgemeine Ein von der ersten bis zur letzten Seite anregendes und noch dazu witziges Buch. Und eine originelle Synthese aus natur- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen. Frankfurter Rundschau Das Buch für alle, die einen neuen Blick auf die Statussymbole der Nachbarn und das Gezicke der Kollegen gewinnen wollen. Buchhändler heute Auch technischer und kultureller Forschritt des Menschen sind größtenteils auf Angeberei zurückzuführen. Diese Erkenntnis ist nicht neu, in diesem Buch aber amüsant und gut verständlich vermittelt. natur & kosmos Mit ihrem Buch erklären die beiden Biologen ... in leicht verständlicher Sprache und mit viel Witz die wissenschaftlichen Mechanismen, die dem Angeber immer wieder den Erfolg sichern. transkript Ebenso aufschlussreich wie unterhaltsam. Main-Echo (..) kurzweilig und mit Humor geschrieben. General-Anzeiger für Bonn (..) leicht lesbar, auch für Schüler, und bietet Anregungen für den Stoff in allen Schulstufen mit genügend Diskussionsmöglichkeiten. (..) eine gute Anschaffung für Schulbibliotheken. Praxis der Naturwissenschaften

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Angeber haben mehr vom Leben wendet das evolutionspsychologische Handicap-Prinzip auf radikale Weise auf unseren Alltag und unsere Kultur an. Auch wenn es einigen zu weit gehen mag, wenn behauptet wird, dass kulturelle Errungenschaften und das Bedürfnis nach Prestige unlösbar miteinander verbunden sind, findet das Buch verblüffende Antworten auf viele paradoxe Erscheinungen unseres Lebens.

Die Autoren schreiben klar strukturiert und argumentiert sauber und nachvollziehbar. Der Titel lenkt vielleicht etwas davon ab, dass dieses Buch auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage steht. Dabei gelingt der schwierige Spagat zwischen intelligenter Wissenschaft einerseits und angemessener Einfachheit andererseits.

Viele praktische Beispiele und der ein oder andere ironische Einwurf machen das Buch außerdem nicht nur zu einer Augen öffnenden, sondern auch einer überaus unterhaltsamen Lektüre.

Unter den dutzenden Büchern und Aufsätzen, die ich zum Thema Evolutionspsychologie gelesen habe, zählt dieses Buch zu meinen persönlichen Top 5.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Angeber haben mehr vom Leben" handelt vom Handicap-Prinzip, welches erstmalig von Zahavi/Zahavi (Signale der Verständigung) als allgemeines biologisches Kommunikationsprinzip zur Übermittlung fälschungssicherer Signale vorgeschlagen wurde. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Pfau signalisiert mit seinem riesengroßen Schweif vor allem seine Fitness, denn er muss aus Sicht der Pfauenweibchen verdammt fit sein, um ihn sich leisten zu können.

Das Buch von Uhl und Voland ist sehr gut und (vorbildlich) verständlich geschrieben. Allerdings begeht es nach meiner Meinung den Fehler, die Anwendbarkeit des Prinzips zu übertreiben. Viele scheinbar plausible Beispiele und Analogien aus menschlichen Gesellschaften dürften bei genauerer Betrachtung wohl eher problematische Anwendungsfälle sein.

Auch vertritt es m. E. eine eher überholte darwinistische Sicht auf die Evolution: Fit scheint nämlich vor allem mal wieder der Stärkste zu sein, der etwa das energetisch aufwendigste Handicap mit sich herumschleppt.

Mersch weist in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem aber auf ein viel grundlegenderes Kommunikationsprinzip hin, was die Natur im Rahmen der sexuellen Selektion eingeführt hat, und was gemäß seiner Aussage die Basis unserer modernen Welt ist: die Gefallen-wollen-Kommunikation. Wir wollen also nicht einfach nur beweisen, dass wir der Stärkste sind und uns große Handicaps leisten können, sondern wir wollen gefallen. Und dafür tun es Witz, Kreativität, Musikalität, Belesenheit etc. eben manchmal auch. Handicaps können im Einzelfall das Kriterium sein, an dem sich entscheidet, ob etwas gefällt oder nicht. Es kann aber auch ganz anders laufen.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Interessante Deutungen 25. März 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Die Autoren geben zunächst eine Einführung in die "Handicap"-Theorie anhand einiger leicht verständlicher Beispiele aus dem Tierreich. Danach versuchen Sie menschliches Verhalten im Lichte dieser Theorie zu erklären: Kunst und Musik gibt es nur, um potentiellen Partnern die eigene geistige Größe zu demonstrieren und Poesie liest man, um zu zeigen, dass man "sinnvolle" Arbeit nicht nötig hat und sich Zeitvergeudung leisten kann.
Manchmal jedoch scheinen mir die Autoren zuviel in ihr Handicap-Konzept reinpressen zu wollen. Dann werden die Belege schleierhaft.
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