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Rund hundert Seiten, d.h. mehr als ein Drittel des 284 Seiten-Buches beschäftigen sich direkt mit dem Anforderungsverwaltungs-Werkzeug DOORS. Das gewählte Beispiel "befasst sich mit der Erstellung eines Buches", ist also "bewußt nicht aus der Software-Entwicklung entnommen". Schade, denn für die meisten Leser wäre dies anspruchsvoller, aber auch von klar größerem Nutzen gewesen. Hinzu kommt ein ca. 40 Seiten großes Kapitel, das sich der Einführung von DOORS in die Praxis widmet, was als Thematik des Anforderungsmanagements eher am Rande liegt, da es nicht ausreichend allgemein dargelgt, mit welchen Argumenten überhaupt erst ein solches etabliert werden kann. Stattdessen finden sich hier allgemeine Ausführungen über die Psychologie des Lernens und den Umgang mit Risiken, ergänzt durch die im gesamten Buch beliebte Eigenwerbung für die Firmen der Autoren.
Ungeachtet der fortdauernden Bedeutung von Strukturierter Analyse / Strukturiertem Design (SA/SD) etwa im Bereich der Kraftfahrzeug-Elektronik wird der Übergang der Anforderungen in Analyse und Design nur im Rahmen objektorientierter Technologie beschrieben.
Die ersten Kapitel widmen sich dem Thema im Allgemeinen und berücksichtigen auch die Perspektive des Managers, der die Einführung eines (zumal toolgestützten) AM-Prozesses auch finanziell verantworten muß. Über die Feinheiten der Anforderungsanalyse erfährt der Leser dabei faktisch nichts.
Durch das Konzept, einerseits einen Management-view zu geben, und andererseits die DOORS-Funktionslität detailliert vorzustellen, ist das ganze Buch seltsam uneinheitlich geworden, da es so keine klare unrissene Zielgruppe geben kann. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob jemand weiß, wie ein Werzeug bedient, und wie es dann (gemünzt auf die jeweilige Zielerfüllung) angewendet wird. Die Frage "Wie nutze ich denn nun das Tool möglichst nutzbringend?" wird durch Ausführungen zu "Begrifflichkeiten und erste Schritte" oder "Handhabung" (Kapitelüberschriften) nicht beantwortet. Daß man in DOORS Links zwischend den einzelnen Objekten anlegen kann, ist eine wertvolle Information; jedoch ist sie nicht nützlich, wenn nicht auch gesagt wird, wozu dies in der Praxis dienen kann.
Det Text ist vom Stil her gut lesbar, aber vielfach sehr langweilig geschrieben. Vom Niveau des Buches her geeignet für Einsteiger ins Thema und die verwendung von DOORS.
Auffällig sind die mitunter langen Listen von Begriffen, die ohne weitere Erläuterung genannt werden. So werden auf S. 252f. als "Mitarbeitergruppen, die für RM [Requirements Management] -Kurse in Betracht kamen" einfach neuzehn Stellenbezeichnungen wie "Sales Director" oder "Test Manager" aufgezählt, was dem Leser wenig Erkenntnisgewinn vermittelt.
Besonders betont wird, immerhin im Anhang, der Wert der elektronischen Signatur - ganz offenbar weil DOORS diese Funktionalität besitzt. Daß nur bei DOORS diese hat, stimmt jedoch nicht (mehr). Tatsächlich ist papierloses Anforderungsverhandeln die absolute Ausnahme, was den Wert dieses Features relativiert. Überhaupt wäre der Buchtitel "Anforderungsmanagement mit DOORS" passend und gegenüber dem Käufer fair.
Das Werk vermittelt dem in der Thematik neuen Eindruck, mit dem Erwerb und der Nutzung eines Werkzeugs gehöre das Chaos der Anforderungsverweltung der Vergangenheit an. Das ist, wie allseits Erfahrungen zeigen, jedoch keineswegs der Fall. Immerhin sind viele der Empfehlungen absolut ernst zu nehmen, bspw. was die Einrichtung besonderer Stellen für Anforderungsmanager angeht. Wenn der Leser hierbei entsprechend für die Problematik sensibisiert wird, kann dies als Erfolg verbucht werden. Als erste Einführung in DOORS ist das Buch allemal brauchbar.
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