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Mit diesem Debütroman einer Schriftstellerin verhält es sich ein wenig anders als mit anderen Debüts. Denn der erste Roman von Alissa Walser, die bis dato als Erzählerin und Übersetzerin in Erscheinung trat, muss zwei zusätzliche Hürden nehmen: Bestätigt er ihr, dass sie das Talent ihres berühmten Vaters Martin Walser geerbt hat? Und gelingt es, das Metier des historischen Wissenschaftsromans ähnlich erfolgreich auszufüllen wie ein Daniel Kehlmann? Um es vorweg zu nehmen: Sie hat das Talent. Von ihrem Roman geht ein Sog aus, der 253 Seiten lang trägt. Zum Thema hat sie sich die historische Begegnung zwischen einem Arzt und seiner blinden Patientin gemacht. Franz Anton Messmer, der an die Heilkräfte der Magneten glaubt, nimmt 1777 in Wien die 18-jährige Maria Theresia in seine Klink auf, ein musikalisches Wunderkind, das dreijährig über Nacht erblindet war. Wenn auch eher auf die persönliche Zuwendung als auf Wirksamkeit seiner wundersamen Apparate zurückzuführen: Mesmer gelingt das Wunder und Maria erlangt ihr Augenlicht zurück. Doch gleichzeitig entgleitet ihr das Klavierspiel - und Mesmer seine Patientin. Denn Maria zieht die ihr Schutz bietende Blindheit dem Leben im Licht vor. Marias Eltern holen sie zurück, Mesmer wird als Scharlatan verhöhnt und flieht nach Paris. In kurzen, schlichten, auf anziehende Weise kargen Sätzen erzählt Alissa Walser eine Beziehung zwischen Arzt und Patientin - und zwar auf eine so unvergessliche Weise, dass sich alle Fragen von selbst beantworten. (un)
Kurzbeschreibung
Als Franz Anton Mesmer das blinde Mädchen in sein magnetisches Spital aufnimmt, ist sie zuvor von unzähligen Ärzten beinahe zu Tode kuriert worden. Mesmer ist überzeugt, ihr endlich helfen zu können, und hofft insgeheim, durch diesen spektakulären Fall die ersehnte Anerkennung der akademischen Gesellschaften zu erlangen. Auch über ihre gemeinsame tiefe Liebe zur Musik lernen Arzt und Patientin einander verstehen, und bald gibt es erste Heilerfolge ... In ihrer hochmusikalischenSprache nimmt Alissa Walser uns mit auf eine einzigartige literarische Reise. Ein Roman von bestrickender Schönheit über Krankheit und Gesundheit, über Musik und Wissenschaft, über die fünf Sinne, über Männer und Frauen oder ganz einfach über das Menschsein.
Über den Autor
Alissa Walser, geboren 1961, studierte in New York und Wien Malerei. Seit 1987 lebt sie in Frankfurt am Main. Für ihre Erzählung »Geschenkt« wurden ihr 1992 der Ingeborg-Bachmann-Preis und der Bettina-von-Arnim-Preis verliehen. 1994 erschien ihr Buch »Dies ist nicht meine ganze Geschichte«, im Frühjahr 2000 folgte der Erzählband »Die kleinere Hälfte der Welt«. Als Übersetzerin hat Alissa Walser außerdem die Tagebücher von Sylvia Plath sowie Theaterstücke u. a. von Joyce Carol Oates, Edward Albee, Marsha Norman und Christopher Hampton ins Deutsche übertragen. 2009 erhielt sie für Ihre Übersetzung der Gedichte Sylvia Plaths den Paul-Scheerbart-Preis. Ihre eigenen Erzählungen wurden in englischer Übersetzung u.a. in literarischen Zeitungen wie Open City und Grand Street veröffentlicht. Zuletzt erschien ihr Roman »Am Anfang war die Nacht Musik«.