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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
feingeistiger, ungewöhnlicher und ausgesprochen empathischer Roman über das Streben nach Anerkennung,
Von Alfa Fähe "Bücherfüchsin" (einem schönen Ort an der Donau) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Am Anfang war die Nacht Musik: Roman (Gebundene Ausgabe)
Franz Anton Mesmer gehört in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu den wohl bekanntesten Ärzten und Wissenschaftern in Wien. Er selbst im deutschen Inzing am Bodensee aufgewachsen und zum Medizinstudium nach Wien gekommen, hat das eifrige Bestreben, dass er mit der von ihm entwickelten "Magnettherapie" endlich den Durchbruch schafft und damit die Anerkennung der anderen Ärzte bekommt.Marie Theresia Paradis ist seit dem 3. Lebensjahr blind und eine begnadete Pianistin. Ihre Eltern waren schon bei allen anerkannten ärztlichen Koryphäen, aber keiner konnte ihr das Augenlicht wiederbringen. Als Marie Theresias Vater Mesmer aufsucht und ihn bittet, seine Tochter zu behandeln, wittert der Arzt die Chance, dass er sich mit seiner Therapie, von der er überzeugt ist, der jungen Frau das Augenlicht wiederzugeben, nun endlich beweisen kann. Die Autorin beginnt mit leichter und feiner Sprache zu erzählen und erst nach einigen Seiten wird dem Leser auffallen, dass irgendetwas an diesem Buch anders ist als er es gewöhnt ist. Es fehlen im ganzen Roman die direkten Reden. Ich muss gestehen, dass mich dies zuerst sehr irritierte, da so der Erzählstil etwas trocken und nüchtern wirkt. Erst nach und nach zeigt sich, dass Alissa Walser mit dieser Art des Erzählens dem Leser eine ganz andere Perspektive verschafft, aus dessen Winkel man eine Geschichte sicher selten betrachten kann. Man ist als Leser zwar mitten im Geschehen, aber nicht direkt involviert, so dass man die Figuren und deren Handeln wesentlich objektiver beurteilen kann. Walser zeigt immenses Einfühlungsvermögen und schafft es, dem Leser einen absolut glaubwürdigen und nachvollziehbaren Einblick in die Gedankenwelt zweier so unterschiedlicher Menschen wie Mesmer und Marie Theresia Paradis zu ermöglichen. Im Vordergrund steht nicht, dass dies ein historischer Roman mit all seinen geschichtlich politischen Ereignissen der damaligen Zeit ist, sondern die Hoffnung, der Ehrgeiz, die Sehnsüchte und auch die Enttäuschung und Verlustangst eines Menschen. Die Autorin zeichnet dies auf wunderbare nicht alltägliche Weise und auf hohem Niveau. Ein außergewöhnlicher Roman mit einer ebensolchen Sprache und feinem, eleganten Erzählstil. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Literarisch überzogene Heilungsgeschichte,
Von Wirtshausberater (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Am Anfang war die Nacht Musik: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vor etwa fünfzehn Jahren, ich war Anfang zwanzig, fand ich Alissa Walsers Erzählungsband "Das ist nicht meine ganze Geschichte" äußerst prickelnd. Als ich das Buch vor ein paar Jahren wieder in die Hand nahm, konnte ich die Faszination nicht mehr ganz nachvollziehen; vermutlich hatte ich die intimen Geschichten aus Voyeurismus gelesen.Nun also Alissa Walsers erster Roman. Es ist ein wahrer Stoff, dessen sie sich angenommen hat. Das Wiener Klavierwunder Maria Theresia Paradis hat als Kleinkind bei einem traumatischen Ereignis um Einbrecher in ihr Elternhaus das Augenlicht verloren. Der Arzt Franz Anton Mesmer wird 1777 mit der Heilung der auch sonst kränkelnden Maria betraut. Mesmer geht äußerst behutsam vor, ergründet zunächst gründlich Marias Seelenleben, stößt auf die Spuren brutaler Elektroschockbehandlung und anderen medizinischen Grauens. Statt harter Medikamente gibt er ihr nur etwas Pflanzengebräu und behandelt sie mit Magneten, worauf er spezialisiert ist. Als Maria schließlich wieder zu sehen beginnt, streiken ihre Finger am Piano. Doch die Öffentlichkeit ist dermaßen von dem Fall beeindruckt, dass Maria schon bald als Musikerin und Medizinsensation herumgereicht wird, während Mesmer zum berühmtesten Arzt seiner Zeit wird. Alissa Walser beschäftigt sich in ihrer Bearbeitung des Themas nicht mit Mesmers esoterischem Ansatz, dessen Wirkung eigentlich nur ein Placeboeffekt sein kann. Auch geht es nicht um die Frage, wie man per Überzeugung von seiner eigenen Methode heilen, psychische Blockaden lösen kann, sondern um das Innenleben der beiden Hauptakteure. Dass Walser einen Personalerzähler wählt, der zwischen den beiden wechselt und jeweils sehr tief in die Figur eindringt, ist gewöhnungsbedürftig. Auch liest sich der Text über die 250 Seiten schwierig, da komplett im Präsens geschrieben, wo die Gegenwart literarisch schwer zu greifen ist und es mittendrin einen Zeitsprung von acht Jahren gibt. Eigenwillig ist auch Walsers oft stakkatohafte Sprache, die jedoch zu den ausgedehnten Monologen im Präsenz passt. Wo sie einerseits die Konstellation äußerst empathisch aufarbeitet, bin ich auch trotz mehrerer Anläufe oft gedanklich aus der Handlung rausgefallen, so sehr bremsen die ausgiebig ausgeführten Gedanken der Protagonisten den Fortgang der Geschichte. Das Ganze ist sicher Literatur, die einigen gefällt, aber manche der Elemente, die Walser verwendet, wie die Vermeidung von Anführungszeichen oder gleich der ganzen wörtlichen Rede und das Austauschen jeglicher Fragezeichen durch Punkte sind doch mehr Attitüde denn schriftstellerische Substanz. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Buch der Bücher,
Rezension bezieht sich auf: Am Anfang war die Nacht Musik: Roman (Gebundene Ausgabe)
Durch den SPIEGEL bin ich auf das Erstlingswerk Alissa Walsers gekommen, "Am Anfang war die Nacht Musik". Obwohl mir die Handlung anfangs für ein ganzes Buch etwas zu langweilig erschien (Arzt trifft blinde Pianistin und kuriert sie), war ich neugierig auf die Tochter Martin Walsers......und fand mich nach der Lektüre erschöpft und begeistert wieder auf meiner Couch. Allein schon der erste Satz des Buches wirkt wie ein wohltönender Klang, den die Autorin anschlägt und der wie die auf dem Cover abgebildete Glasharmonika vielstimmig verklingt. Nachdem ich die Rückseite - gespickt voll mit Kommentaren wie "hochmusikalischer Sprache" und "in jeder Zeile satte Sinneseindrücke" gelesen hatte, war ich mir sicher, dass man dieses Buch heftig hochstilisiert hatte. Dem war nicht so! Entweder hat sich Alissa Walser jede Zeile, jeden Satz, jedes Wort so gründlich überlegt, bis sie sicher war, dass es passt - oder sie verfügt über die besondere Fähigkeit, aus Sprache Atmosphäre zu schaffen - und das meine ich nicht figürlich, sondern ernst! Walser schlägt keinen blumig-barocken Ton an, wie vielleicht Zeit und Ort der Handlung (Wien 18. Jh.) vermuten lassen würden, sondern eine Sprache, die so wunderbar gleichmäßig und gleichzeitig abwechslungsreich schwingt, wie im Walzertakt, dass man wie auf einer wohligen Welle durch die gesamten 250 Seiten des Buchs (am Ende dachte ich im Gegensatz zum Beginn, das sei noch zu wenig) getragen wird. "Sprachreise" wird oft inflationär verwendet, aber hier stimmt es Buchstabe für Buchstabe! Maria Theresia Paradis, als Wunderkind geltende, blinde Wiener Pianistin und Musikschülerin von Kozeluch und Salieri und darüber hinaus Komponistin der 'Sicilienne', wird von ihren Eltern zum angesehenen Arzt Franz Anton Mesmer gebracht, nachdem die Therapien anderer Ärzte versagt haben. Mesmers umstrittener Magnettherapie unterwirft sich mit anderen Patienten auch "Resi" Paradis. Nach einer Weile des Aufenthalts kann Resi mit geöffneten Augen auch wieder sehen, doch leider, leider... kann sie ab diesem Moment nicht mehr Klavier spielen, was ihre erbosten Eltern dazu veranlasst, sie mit Gewalt zurückzuholen. Nachdem Mesmer vom Geachteten zum Geächteten geworden ist, tingelt er noch eine Weile durch Wien, bis er sich nach Paris absetzt und dort eine eigene Schule für Magnettherapie eröffnet. In Paris trifft er auch Resi wieder, die auf einer Tournee dort Halt macht. Die vergleichsweise "alltägliche" Handlung, wenn man sie mit anderen Historienschinken vergleicht, die im Übrigen auf historisch belegten Daten und Fakten fundiert, findet in einer ätherisch umschriebenen Welt statt, mit einer so unfassbaren Sprachmelodie, dass man manchmal fast ein wenig neidisch auf die Autorin wird, die das kleinste Detail so wunderbar umschreiben kann. Das soll aber nicht heißen, dass das Buch langwierig, belanglos oder gar aufgebauscht ist! Es ist eine vergleichsweise reale Handlung, die aber mit den schönsten und edelsten Stilmitteln der Sprache in einer anderen Sphäre, auf einer höheren Bewusstseinsebene, stattfindet. Sonst versuche ich, meine Rezensionen möglichst kurz zu halten. Je länger die Rezension, umso begeisterter war ich vom Buch. Ich denke, anderen Leuten wird es genauso gehen wie mir: sobald sie die erste Seite aufschlagen, befinden sie sich mit Herz und Seele im barock-klassischen Wien und enden auf der letzten Seite in Paris. Alissa Walser spielt die Glasharmonika des Erzählens meisterlich und schafft damit einen Stern am Himmel eines jeden Lesers. Jeder Ton klingt harmonisch, aber trotzdem intelligent und wirkt nie deplatziert, so gut wie nie eine Dissonanz. Jedes Kapitel eine Strophe für sich, in der das Stück sich fortsetzt, bis der letzte Ton auf einem Platz in Paris verklingt. MfG Infocat Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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