Wahrscheinlich lernten die Menschen das Feuer schon vor ca. 500 000 Jahren näher kennen und zu nutzen, als z.B. ein Blitz in einen Baum fuhr und der Baum zu brennen begann. Feuer spendet Wärme & Licht und hält wilde Tiere fern. Vom lecker Kotelett und Geräuchertem ganz zu schweigen. Es vergingen aber viele Jahrtausende, bis der Mensch lernte selbst Feuer herzustellen. Hier beginnt Jean-Jacques Annaud zu erzählen.
80 000 Jahre vor unsrer Zeit, Amoukar, ein Neandertaler, hockt neben dem stattlichen Feuer und knabbert an Resten vom Abendessen. Seine Aufgabe ist groß. Während die Angehörigen seines Stammes der Ulam des nächtens unter einem Felsüberhang schlafen, bewacht er gewissenhaft das Feuer. Ein plötzlicher brutaler Überfall einer feindlichen Horde Homo erectus bringt Blut und Chaos. Während die Überlebenden des Ulam-Clans fliehen, passiert der Super-Gau: Die wohl verpackt mitgeführte Glut des Feuers erlischt! Amoukar bleibt nicht anders übrig, als die kleine Gruppe inmitten der klammen und unwirtlichen Natur zurückzulassen und sich auf die Suche nach Feuer zu machen. Die beiden Jäger Naoh und Gaw begleiten ihn. Die urzeitige Welt in seiner ganzen Pracht und gandenlosen Wildheit erwartet sie. Unterwegs retten sie die junge Ika aus den Fängen von Kannibalen. Sie ist eine Tochter des Ivaka-Stammes der fortschrittlichen Homo sapiens. Sie hat nicht nur ein wahnsinnig aufregendes Make-up, sie hütet auch ein wertvolles Geheimnis.
Hier findet man doch recht animalische Umgangsformen (für ein Period-Drama doch ziemlich heftig), sie sind jedoch in der prähistorischen Welt und ihren Gesetzen geschuldet. Ika, nackt, fern ihre eigenen Sippe und darum auf Unterstützung angewiesen, schließt sich dem Neandertaler-Trio an, die sie zähneknirschend mitschleppen aber als Mauerblümchen sitzenlassen. Später wird sie beiläufig vergewaltigt. Political Correctness- ein Fremdwort damals. Ebenso Privatsphäre. Die Clanmitglieder kommunizieren ausschließlich mit Grunzlauten, hier und da kann man schon mal eine Silbenkette erahnen. Erst dies vermittelt aber auch das richtige prähistorische Kolorit und ist einfach auch ein klein wenig glaubwürdiger, als wenn die Frühmenschen plötzlich gediegen Französisch sprächen. Immer wieder ist es aber auch zum Kringeln , wenn ein wild kreischender Ron Perlman (Amoukar), enthemmt herum springt oder seinen Freund mit äffischem Gesichtsausdruck von Parasiten befreit. Auch die Gruppe lernt den Slapstick kennen, denn als in trauter Runde eine Situation zu kippen droht, zeigt der Film, dass auch eine andere grundlegende Entwicklungen der Menschwerdung, hier ihren Anfang nahm: Das Lachen können über sich selbst, die Komik in der Situation wahrzunehmen und Aggressionen und Frust einfach wegzugackern.
Auch dass die Missionarsstellung keinesfalls von den prüden Missionaren erfunden wurde, kann man hier anschaulich beobachten. ;-)
(Während der KUSS erst seit 3000 Jahren zum menschlichen Repertoire gehört.)
Jedenfalls findet Ika bald ihren standesgemäßen Platz in der Gesellschaft.
Übrigens hat Anthony Burgess, Linguist und Autor von Clockwork Orange, die hier verwendete Lautsprache auf wissenschaftlichen Grundlagen entwickelt. Er hat ja auch schon in Clockwork Orange das "Nadsat", eine Art Jugendslang erfunden. Im Booklet gib es eine kleines Vokabelheftchen zum Urzeit-Slang. Ebenso ist aufwändig versucht worden, sich in Mimik und Gestik möglichst den damaligen Menschen anzunähern.
Emmerich hat wohl diesen Film als die Inspiration für sein
10.000 BC Film genannt. Er ließ aber seine Frühmenschen perfekt Englisch sprechen, alle hatten piekfeine Dreadlocks vom Starfriseur und blitzende Porzellankronen auf den Beißerchen. Lächerlich.
Fazit: Der Urzeit Abenteuerfilm mit Doku-Charakter, erzählt nicht nur vom Entstehen der ersten und vielleicht wichtigsten Technologie des Menschen, dem Feuermachen, sondern auch von der zarten Herausbildung der vielleicht wichtigsten menschlichen Eigenschaften: Liebe und Humor. Das Ganze in brillanten Bildern, wunderschönen urzeitigen Landschaftsbildern aus Kenia, mit fundierten steinzeitlichen Hintergründen und dazu sogar noch relativ spannend. Edle Kostüme. ;-) Und ganz ohne verständliche Worte. Einzig in seiner Art.
Regie: Jean-Jacques Annaud ( Der Name der Rose, Der Bär, Der Liebhaber, Sieben Jahre in Tibet)
Originaltitel: La Guerre Du Feu
Frankreich/Kanada/USA 1981
Laufzeit: 100 Minuten
Amoukar - Ron Perlman (Alien, Hellboy)
Naoh - Everett McGill
Gaw - Nicholas Kadi
Ika - Rae Dawn Chong
Der Film ist leider erst ab 16, bestimmt wäre er auch gerade für jünger Zuschauer interessant. Da aber Sex- und vor allem heftige Gewaltszenen gezeigt werden, ist er vielleicht wirklich erst ab dieser Altersgruppe zu empfehlen. Die waren halt nicht grad zimperlich damals.
Der Film liegt im Format 2,35:1 vor, welches der Original Kinofassung entspricht. Das Bild wirkt auf mich für das Alter recht gut.
Die zwei DVDs sind im Digipack zum Ausklappen mit schönen Filmbildern und dann im neu gestalteten Pappschuber, wie hier abgebildet. Ein Booklet über die Sprache der Ulam.
DVD1 liefert den Film mit Originalgrunzlauten ohne Untertitel (die man auch nicht braucht). Schön ist, dass falls man Untertitel wählt, die Untertitel des Audiokommentars von Jean-Jacques Annaud eingeblendet werden, die man dann während des Filmes mitlesen kann. So erfährt man interessante Details zum Dreh und nette Anekdoten oder auch Erklärungen, ohne dass in den Film reingelabert wird.
DVD2 hat Bonusmaterial: der Trailer, ein 25miütiges Making Of (französisch mit deutschen UTs), ein 35minütiges Interview mit Jean-Jacques Annaud (französisch mit deutschen UTs,) drei versch. Trailer als Progammtipps.