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Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis - "Leiden ist leichter als Lösen" - "Ich füge mich der erkannten Wirklichkeit" - "Jeder ist auf seine Weise nur verstrickt" - "Wer sich zu gut ist, böse zu sein, zerstört die Beziehung" - "Wer im Einklang ist, kämpft nicht" - "Das Große liegt im Gewöhnlichen" - "Fortschritt ist mit Schuld verbunden" - "Besserwisser weigern sich zu wissen" - "Sünden haben auch gute Folgen" - "Sexualität ist größer als die Liebe" Petra Dohmen
Mein Interesse an Hellinger war also geweckt, und als mir eine Freundin dieses Buch als eins ihrer Lieblingsbücher beschrieb und mir anbot, es mir auszuleihen, begann ich, darin zu lesen und war erstaunt, auf was für einer tiefen Ebene es mich ansprach.
Ich habe dieses Buch gern gelesen, weil es mich an intuitiv einleuchtende Weisheiten erinnert hat, die bei mir auf einer (für mich) erstaunlich tiefen (Gefühls)-ebene Resonanz fanden. Es ist ein Buch, das mir beim Lesen wie kaum ein anderes ein Gefühl der Ruhe und geistigen Sammlung eröffnet hat.
Hellingers Sprache ist sehr klar. Er benötigt keinen populären oder akademischen Psycho-Jargon, sondern spricht Wesentliches in einfachen, alltäglichen und jederzeit verständlichen Worten an.
Während der Großteil der Autoren heutiger Pop-Psychologie und Erfolgskonzepte eine allumfassende Machbarkeit und Verwirklichbarkeit aller nur denkbaren Träume propagiert, macht Hellinger in diesem Buch überhaupt keine Versprechungen. Stattdessen empfiehlt er eine Achtung vor dem (persönlichen) Schicksal: aus dem Anerkennen dessen, was ist, erwachse nämlich eine tiefere, ruhigere und letztlich stärkere Kraft als aus oberflächlichen alles-ist-möglich-Ideologien wie Kommunismus, Liberalismus oder den Erfolgsrezepten populärer Erfolgstrainer und Börsengurus.
Interessant fand ich dabei, daß für Hellinger aus seiner Einsicht in die Unabwendbarkeit des Schicksals nicht etwa hoffnungslose Ernüchterung, Resignation oder Verzweiflung folgen. Sondern eher eine Haltung, die sich vielleicht als "Ehrfurcht vor dem Schicksal" beschreiben lässt: eine Haltung aus der einem -- sagt zumindest Hellinger -- auch Kraft zufließen kann, sofern man in der Lage ist, anzuerkennen, was ist und im Einklang damit zu leben.
Das klingt altmodisch und riecht nach Religion, und ich tue mich auch ziemlich schwer damit. Mir scheint aber doch etwas richtiges darin zu liegen, auch wenn ich noch nicht recht weiß, was genau oder wie das umzusetzen wäre. Es ist jedenfalls ein Gedanke, den man so weder in der akademischen noch in der Pop-Psychologie findet (die entweder in Termini moderner technologischer oder evolutionstheoretischer Metaphern denkt oder nur oberflächliche Anleihen bei den verschiedensten religiösen Traditionen machen). Er scheint im modernen (von den Ideologien der Aufklärung, des Evolutionismus und zuletzt der Informationstheorie geprägten) Denken fast ganz verlorengegangen zu sein.
Doch nicht nur an religiöse Traditionen erinnerten mich viele von Hellingers Gedanken. Fast erinnerte mich sein Stil auch an einige Passagen des späten Marx ...
Obwohl ich das Buch sehr lohnend fand, würde ich persönlich doch keine Familienaufstellung bei Hellinger machen wollen. Und schon gar nicht bei einem der zahlreichen seiner selbsternannten Methoden-Anwender, von denen viele ernsthaft zu glauben scheinen, sich in ein paar Wochenend-Crash-Kursen zum "Familienaufsteller" qualifizieren zu können und sich dadurch berechtigt (oder gar "zertifiziert") fühlen, diese Art des Rollenspiels als universell wirksame Schnell-Therapie propagieren: darin sehe ich eher eine traurige, verzweifelte Trend-Hopping-Strategie wohl oft persönlich selbst orientierungsloser und tendenziell stets von Arbeits- und Einkommenslosigkeit bedrohter Anbieter auf einem mehr und mehr übersättigten Glaubens- und Psychomarkt, von denen wohl viele im Grunde Schwierigkeiten haben, mit ihrem (oft akademischen) Background potentiellen Klienten überhaupt einen substantiellen und überzeugenden Nutzen zu bieten. Diese Leute haben mein Mitleid, aber nicht mein Vertrauen als Klient.
Hellinger selbst macht in diesem Buch keinerlei Werbung für seine "Therapiemethode" und propagiert sie auch in keiner Weise, was ich sehr angenehm fand.
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