Vor mehr als 20 Jahren, als ich zum ersten Mal das "Tagebuch eines frommen Chaoten" von Adrian Plass las, war ich absolut begeistert. Sein Tagebuch exzentrischer Erfahrungen in seiner charismatisch angehauchten Hausgemeinde, die völlig eindrücklich geschilderten Persönlichkeiten - das alles war ein humorvolles Kaleidoskop evangelikaler Frömmigkeit.
Die Geschichten waren lustig, überzeichnet, oftmals aber hintersinnig und trafen meinen damaligen Humor sehr gut. Auch heute noch, wenn ich in den Seiten dieses christlichen Klassikers lese, muss ich an vielen Stellen lachen, obwohl natürlich der Charme der Darstellung von damals auch ein wenig mit der Zeit verloren hat. Es bleibt jedenfalls für mich ein Meilenstein der christlichen Literatur und der Titel sprachbildend.
Leider konnte ich das von den nachfolgenden Werken von Adrian Plass in dieser Form nicht sagen. Was ich auch immer gelesen habe, abgesehen von seiner Biographie, hat mich weniger berührt. Viele Ideen seines Erstlingswerks schienen nur verlängert und verloren dadurch an Bissigkeit und Würze.
Das ist nun leider auch beim neuen Werk nicht anders. Der Titel, erinnert an das Tagebuch aus den späten 80ern - ist aber ein komplett neues Buch, das einen Schriftwechsel zwischen dem Autoren und einem, zumindest mir völlig unbekannten, US-amerikanischen Pastor enthält.
In diesen Schriftwechseln, die sich ein wenig wie der launische Austausch zweier älterer Herren liest, geht es, wie in vielen anderen Büchern von Plass, um die mehr oder weniger wahnsinnige Normalität im Leben der Kirche. Das ist auch hin und wieder recht lustig - insgesamt sind die Geschichten, die beide sich gegenseitig schreiben, eher recht bieder, um nicht zu sagen banal. Vom Tagebuch eines frommen Chaoten sind diese Anekdoten leider meilenwert entfernt.
Irgendwann habe ich das Buch enttäuscht aus der Hand gelegt. Aber ein Nützliches hatte es dann doch. Ich habe noch einmal zum "Tagebuch" gegriffen und mich wieder köstlich amüsiert. Wenn ich auch längst nicht mehr so fasziniert war wie damals und auch nicht mehr so köstlich lachen konnte, so erregte es doch immer wieder ein Schmunzeln. Das konnte ich vom neuen Buch so leider nicht sagen.