Wie ein Urknall mischten Udo-Lindenberg und sein Panikorchester 1974 die deutsche Musikszene auf, die von wenigen Ausnahmen abgesehen (Ton Steine Scherben...) von Schlagerfuzzis domininiert wurde.
Musikalisch vielfältig, rockig, jazzig, teils mit genialem Boogie-Sound (J. J. Kravetz am Klavier) legt das Panik-Orchester los. Der renommierte Jazz-Drummer Udo Lindenberg spielt selbst noch Schlagzeug und prägt mit seiner einzigartigen nöligen Stimme einen eigenen bis heute unverwechselbaren Stil.
Die Texte sind revolutionär für deutsche Musik. Udo benutzt keine gekünstelte, sondern seine eigene, jugendliche Sprache - die Sprache der Straße, dabei ungeheuer kreativ mit eigenen Wortschöpfungen, die inzwischen längst Eingang in den Duden gefunden haben. Damit trifft er den Nerv der Generation U30 seiner Zeit und schafft gleichzeitig ein zeitloses Album.
"Andrea Doria" und "Boogie Woogie-Mädchen" sind Klassiker, die bis heute in jedem Konzert alle von den Sitzen reißen.
"Nichts haut einen Seemann um": Eine Milieustudie Hamburger Hafenkneipen, einfach nur schön und sentimental.
"Ganz egal": Ein Plädoyer für einen offenen Umgang mit eingefahrenen Geschlechterrollen und Homosexualität. Ein wunderbares Lied und in der damaligen Zeit ein Schocker!
"Wir wollen doch einfach nur zusammen sein": Tolles Liebeslied, das unter die Haut geht. Der Liebe zum Mädchen aus Ostberlin steht die Mauer im Wege. Als die politische Linke in Gesamtdeutschland sich längst mit der deutschen Teilung abgefunden hat, singt der "Linke" Udo gegen diese unmenschliche Situation an. Es hat sich gezeigt, dass sein Glaube und sein unermüdlicher Einsatz gegen die Teilung Früchte getragen haben. Auch damit ist Udo zum bedeutendsten deutschen Sänger aller Zeiten geworden.
"Cello" ist ein weiterer Höhepunkt der Platte und bis heute eine der besten Gänsehautballaden, die Udo je komponiert hat - mit dem echten Sound dieses wunderbaren Instrumentes! Auch das macht den besonderen Reiz dieser und der folgenden Lindenberg-Platten aus: Als kreativer Musiker integriert Udo Instrumente wie Dixielandbläser (später: Peter Herbolzheimer), Celli, Akkordeon, Boogie-Klavier in die Rockmusik und wird damit zum ersten König des deutschen Rock.