Gerhard Winkler (*1955) berät Bewerber seit 1987 und veröffentlicht seit 1997 Bewerbungstipps auf seiner werbefreien Seite jova-nova.com. Für Data Becker hat er 2003 den Bestseller "Bewerbungsgenie 3" produziert. Im selben Jahr hat Smartbooks sein 336-Seiten-Handbuch "Anders bewerben" herausgebracht. Winklers Texte für junge Bewerber sind im AOL-Verlag und im Deutschen Sparkassenverlag erschienen.
Im Web werden monatlich bis zu dreihunderttausend Seiten von Gerhard Winkler abgerufen. Er schreibt nicht nur Tipps und liefert Beispiele und Vorlagen, sondern stellt auf der kostenlosen Bewerberseite jova-nova.com auch eine ganze Reihe pfiffiger und intelligenter Arbeitsblätter zur Verfügung. Die Bandbreite reicht dabei von "Einsteiger-Regeln" bis zu "22 x Selbstmarketing". Für tausende von Nutzern bildete sein Online-Formular "Arbeitszeugnis erstellen" den Einstieg in das selbst formulierte, bessere Arbeitszeugnis.
Als Web-basierter Berater kommuniziert Winkler bevorzugt per Mail oder Telefon. Seine Leser sind so verschieden wie der Jobmarkt vielfältig ist. Winkler berät ohne Ansehen der Person - vom Hauptschulabgänger bis zum Post-Doc, vom Sachbearbeiter bis zum Vorstand. Fast alle seiner Tipps und Ratschläge wurden aus der Auseinandersetzung mit realen Bewerberfragen entwickelt. Das macht sie so frisch und praxisbezogen. Als Autor und Berater bevorzugt Winkler den lebendigen Dialog.
Winklers Schreibstil ist locker. Seine Vorschläge widersprechen oft der herrschenden Lehre. Dabei schreibt kaum einer so konkret und nachvollziehbar wie er. Was Gerhard Winkler trägt, ist nicht nur treffsicherer Witz und Einfallsreichtum. Es ist ebenso das gut abgesicherte Wissen, dass seine Handlungsvorschläge funktionieren und zum Erfolg führen.
Bewerben in schwierigen Zeiten
Es gibt drei Sorten an Job-Gelegenheiten: die öffentlich ausgeschriebenen, die nicht öffentlich gehandelten und schließlich die Traumjobs, die sich auf wunderbare Weise auftun, wenn der umtriebige Leistungsanbieter auf einen unternehmerisch handelnden Arbeitgeber trifft. Klar, dass diese unterschiedlichen Jobchancen ihre eigenen Strategien verlangen.
Jobsuchende können sich auch selbst beschäftigen und damit Geld verdienen. Trotz aller Geschäftsideen und Förderprogramme: Die meisten Existenzgründer schätzen sich selbst als Spaziergänger im Feindesland ein. Selbständigkeit ist für sie nicht wirklich eine langfristige Alternative.
Dann stellt man sich als Jobsuchender eben diese Fragen: Gehört man tatsächlich zu diesen Menschen, die nur innerhalb einer Organisation sinnvolle und angemessen vergütete Erwerbsarbeit leisten können? Gibt es auf dem Jobmarkt Leute, die ebenso das Wissen haben und die Stärken draufhaben wie man selbst? Falls ja, ist das ein gutes Zeichen. Dann wird der Markt früher oder später wieder mehr von dieser Sorte an Arbeitskräften rekrutieren. Welche Organisationen suchen jetzt? Welche werden in nicht all zu ferner Zeit wieder einen Personalbedarf ausgleichen? Welche Unternehmen sind für einen interessant?
Solange der Jobmarkt nicht ganz umkippt, solange man die durchschnittlichen Anforderungen erfüllt, solange hat man auch eine echte und reelle Jobchance. Man schaut eben nicht nur nach Job-Offerten, sondern auch nach Organisationen und dort recherchiert man wiederum Menschen, in deren Führungs- und Managementaufgaben das eigene Jobanliegen passt. Personaler verlangen und Jobsucher glauben, dass man sich just in time bewirbt. Meine Strategie in einem engen Jobmarkt: Regelmäßig nachfassen und klar machen, dass man the right person ist und das Unternehmen the right place. Dann kommt immer irgendwann auch der richtige Zeitpunkt.
Und wie macht man einen Arbeitgeber auf sich aufmerksam? Ich verrate Ihnen das Geheimnis meines Erfolgs als Bewerbungshelfer: Ich bemerke einfach, was offensichtlich ist. Und ich setze nur das ein, was nachweisbar funktioniert.
Es ist ganz offensichtlich, dass man sich in das Jobinterview hinein redet, hinein schreibt und verhandelt. Es liegt außerdem auf der Hand, dass Anschreiben und tabellarischer Lebenslauf zwei eigene Textsorten sind, die sich von all dem unterscheiden, was man sonst im Leben anfertigt. Ganz sicher ist das Anschreiben als Reaktion auf eine Offerte nichts als eine Selbstpräsentation, die als Antwort verkleidet ist. Jedes Initiativschreiben ist dagegen eine als Selbstpräsentation kaschierte Antwort auf einen Bedarf.
Zweifellos folgen sehr viele Bewerber falschen Freunden und übernehmen Vorlagen, die nicht funktionieren. Jobsuchende kommen darum in der Regel nicht wegen, sondern trotz ihrer Unterlagen bis zum Vorstellungsgespräch.
Jede Bewerbung ist angewandtes Informationsdesign. Informationsdesign bedeutet in erster Line: Abspecken der Information. Eines darf auch der Bewerber nicht vergessen, der voll und ganz von sich und vom Job begeistert ist: Eine jede Bewerbung macht dem Personaler Arbeit. Deshalb versteht man als Leistungsanbieter seine Bewerbung auch tunlichst als Service.
Ich predige schließlich geradezu, dass in der entscheidenden Bewerbungsphase niemand für einen spricht und eintritt kein Mensch, außer man selbst. Also tritt man offensiv und selbstbewusst auf. Ich propagiere dafür die 2E2A-Regel: Geben Sie sich einfach, ehrlich, ansprechend, angemessen. Bewerben in schwierigen Zeiten bedeutet im Grunde, dass man sich noch weniger als sonst gehen lassen und unpersönlich, formalisiert und unfokussiert auftreten darf. Im Vergleich zum üblichen, weder markt- noch adressatenbezogenen Bewerberverhalten meint Jobsuche in den Zeiten der Unsicherheit vor allem: Anders bewerben. Anders als der Mainstream. Anders, als es die Traditionalisten befehlen. Bewerben verlangt, dass Sie sich bemerkbar machen. Dass Sie die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Dass Sie den prüfenden Personalerblick aushalten und sogar die Wahrnehmung des Personalers lenken. Sind Sie sich Ihrer selbst bewusst? Haben Sie eine Vorstellung von Ihrem beruflichen Ich? Dann können Sie sich auch anders bewerben.