Anderland (Originaltitel: Morningquest) ist wieder einmal ein Meisterwerk Joan Aikens und zeigt endlich mal ein wenig Abwechslung zu den „Jane Austen Vorstzungsromanen", wie Jane Fairfax, Elizas Tochter oder Emma Watson. In dem für Aiken so typischen zeitlosen, romantischen Stil geschrieben, der uns leicht vergessen läßt, daß der Roman in den 60er Jahren handelt, erzählt die Geschichte von Pandora Crumbe und ihrem langen Weg um sich selbst zu finden. In der kleinen englischen Provinzstadt Floxby Crucis aufgewachsen wehrt sich Pandora erst gegen die Versuche ihrer Mutter sie in die Gesellschaft der Großfamilie Morningquest einzuführen, eine Familie von musikalischen Talenten, angefangen von dem Vater Sir Gideon Morningquest („ein Dirigent von Weltruf"), der Mutter Mariana Morningquest („ihrerseits eine Berühmtheit... - eine Sängerin,ein Sopran", eine wahre Schönheit), und deren Kinder Barney, Toby und Dan, Dolley, Ally und Elly („die Zwillinge") und Selene. Jedoch ein Besuch bei ihnen, der mit dem plötzlichen Tod ihrer Mutter endet, überzeugt sie des besseren. Sie wird von der Familie aufgenommen, getröstet und entfaltet sich langsam zu einer völlig neuen Persönlichkeit, lernt nach und nach auf ihren eigenen Beinen zu stehen und sich den Morningquests anzupassen. Aber je eher sie ihren eigenen Weg findet, desto mehr erfährt sie über die Familie und sie sich auflösende Einheit, als die Kinder anfangen ihre eigenen Wege zu gehen. Doch zugleich erfährt sie auch immer mehr über ihre Vergangenheit, ihre Herkunft und ihre Mutter, und deren mysteriöse Freundschaft zu Mariana Morningquest. Es fehlen natürlich auch nicht die Liebesbeziehungen, sowohl körperlicher, als auch seelischer Natur, ein Gewirr aus Liebhabern, unehelichen Kindern und blutschändige Beziehungen. Das Buch ist meiner Meinung nach ein Meisterwerk, in der die Autorin uns hinter die Fassade einer perfekten Familie sehen läßt und sowohl menschliche Beziehungen, als auch einzelne Individuen vorbildlich in Wörter kleidet, ohne wirklich über die Personen und deren Schwächen zu urteilen. Wir erfahren den Großteil der Handlung von Pandora, die Hauptfigur des Romans, wir erfahren ihren verschlossenen Charakter zu entschlüsseln, lernen ihre Gefühle kennen und wie man lernt Leute mitsamt Fehlern zu lieben kann, schwere Entscheidungen zu treffen und doch am Ende in Frieden mit sich selbst leben kann. Ich denke das Buch ist eher für die älteren Kinder, sehr englisch und zweifellos grandios.