Vor der Veröffentlichung von ,...And Then There Were Three' mussten Genesis wieder einen personellen und kreativen Verlust hinnehmen, da der Gitarrist Steve Hackett die Band verließ, um sich aufgrund künstlerischer Differenzen speziell mit Tony Banks seinen Soloprojekten zu widmen. Mike Rutherford übernahm also die Gitarrenparts, allerdings konnte er nie die Genialität des Spiels von Steve erreichen, insbesondere auf ATTWT ist er ehehr unauffällig. Dennoch ist das Album durchaus gelungen, ich selber habe es mit der Veröffentlichung der CD/SACD/DVD wieder- und speziell einige Songs neu entdeckt, so die fantastische und live wahrscheinlich gigantische Ballade ,Many Too Many', und ,Scenes From A Night's Dream'. Fantastisch sind auch ,Burning Rope', Snowbound' und ganz besonders ,Deep In The Motherlode', alle drei und speziell der letztgenannte Track bauen eine tolle Atmosphäre auf und sind eigentlich auch dafür prädestiniert, live performt zu werden. Insgesamt gibt es keinen Totalausfall auf der Platte, auch der kraftvolle Opener ,Down And Out', das Banks-Stück ,Undertow', Say It's Alright Joe' und ,The Lady Lies' sind gute Tracks.
Es muss jedoch auch kritisch bemerkt werden, dass die Raffinesse früherer Alben, derer mit Gabriel sowieso, aber auch ,Trick Of The Tail' und ,Wind And Wuthering' etwas verloren gegangen ist. Es gibt deutlich weniger musikalische Überraschungsmomente, was auf der einen Seite im Weggang von Hackett begründet sein mag, was zu einer starken Dominanz der Keyboards auf diesem Album führt, die Rutherford durch sein Gitarrenspiel nicht aufzulockern vermag, aber auch durch die beginnende Fokussierung auf den Massengeschmack. Letzteres zeigt sich ganz besonders am Schlusssong ,Follow You, Follow Me', dem ersten großen Hit der Band. Das Stück ist sogar gut, seine Genialität liegt in seiner simplen Struktur, aber es weist den Weg der künftigen Genesis, so dass ,...And Then There Were Three' auch den Abschied Genesis' vom ProgRock markieren, wenn auch auf späteren Alben hier und da noch Spuren dieser musikalischen Vergangenheit hörbar waren, wie ,Home By The Sea', ,Driving The Last Spike' etc., um abschweifend vom eigentlichen Gegenstand dieser Rezension zwei beispielhafte Songs zu nennen.
Schlussendlich muss man der Band bescheinigen, mit ,And Then There Were Three' schon ein sehr gutes, schönes, atmosphärisch sehr ansprechendes Album abgeliefert zu haben, das Prädikat ,Exzellent' jedoch kann man hier meiner Ansicht nach nicht vergeben. Der verbesserte Sound kann jedoch durchaus dazu beitragen, dass bei Fans, die das Album bisher grenzwertig fanden, nun endlich der sprichwörtliche Funke überspringt.
Folgende visuelle Boni sind auf der DVD vorhanden:
Videos
1. Many Too Many
2. Follow You Follow Me
Three Dates With Genesis
Ein sehr informativer Dokumentarfilm über einige Stationen der 78er Tour von Genesis, darunter auch die deutschen Festivals mit Infos über das Tourleben, Ausschnitten der Reisen, Bühnenaufbauarbeiten, Proben, Konzerte etc. mit eine Länge von etwa 48 Minuten und guter Bild-, sowie Tonqualität.
Galerien
1. Japanese Tour Programme 1978
2. Knebworth Programme 1978
3. German Festival Programme 1978
Qualitativ sind die Aufnahmen in optischer Hinsicht für ihr Alter sehr gut, klanglich gibt es nichts zu bemängeln. Schade ist allerdings die Tatsache, dass keine Konzertausschnitte vorhanden sind, obwohl offensichtlich Material voeliegt, welches aber vielleicht aufgrund seiner Länge für eine spätere, separate DVD-Veröffentlichung vorgesehen sein mag. Des weiteren ist ein interessantes Reissue-Interview mit den Künstlern enthalten, allerdings ohne deutsche Untertitel. Das Package ist gegenüber der 1994er-Remaster-Serie sehr verbessert worden, die Cover aller Alben sind auf der Rückseite wieder individualisiert worden, die hässliche EinheitsTracklist-Infobox ist entfallen und für jede CD hat man sich wieder eine individuelle Gestaltung der Trackliste einfallen lassen. Besitzer der 1994er-Remaster-Serie sollten also beruhigt zugreifen, dies ist ein Remaster, das seinem Namen alle Ehre macht und Maßstäbe für künftige Wiederveröffentlichungen setzt.