Anatomie verstehen - besser reiten. Das klingt nach einem schönen Versprechen und ich glaube, dass dieses Buch es tatsächlich einlösen kann. Nicht weil es eine andere, einfachere Reitweise propagieren würde, als "klassische" Reiterbücher. Sondern weil es immer wieder wirklichen Durchblick beschert - in Form der auf die Pferde aufgemalten Muskeln und Knochen. Eine geniale Idee, die beim Verstehen der Zusammenhänge sehr hilft. In diesem Buch geht es glücklicherweise nicht um stumpfes Anatomie-Büffeln, sondern um das "Warum". Warum kann ein Pferd sich nicht vernünftig biegen, wenn es den Kopf vor oder hinter der Senkrechten trägt? Warum kann die Hinterhand nicht untertreten, wenn die Nase zum Himmel zeigt? Warum "latschen" so viele Pferde eigentlich auf der Vorhand? Und so weiter und so weiter. Beim Lesen und beim Anschauen der vielen hervorragenden Bilder stellen sich unzählige kleine und auch der eine oder andere größere Aha-Effekt ein. Und dass die vielen Regeln der Reiterei sich plötzlich zu einem Gesamtbild zusammenfügen, das auf den anatomischen Möglichkeiten beruht, die unsere Pferde besitzen, macht mir immer wieder Freude.
Wenn es mit dem "besser reiten" dann einmal nicht so gut klappt, wie ich es gerne hätte, kann ich mein Pferd zumindest mit den Stretching-Tipps aus dem Buch wieder ins Gleichgewicht bringen.
Mein Fazit: Eine echte Bereicherung für alle Reiter, da die Autorin als Vielseitigkeitsreiterin Tipps für Dressur, Springen und anstrengende Geländeritte gibt. Es ist für Anfänger verständlich genug geschrieben und fortgeschrittene Reiter werden trotzdem noch Zusammenhänge entdecken (zum Beispiel die "fasinierenden Faszien"), die sie bisher so nicht gesehen haben.