Wer die Schrift eines Historikers mit umfangreichem Fußnotenapparat erwartet, oder eine politikwissenschaftliches Essay, das globale Hintergründe beleuchtet, oder eine soziologische Abhandlung mit entsprechender fachmännischer Interpretation, der/die wird enttäuscht sein. Wer aber bereit ist, der Erkenntnis "Das wirkliche Leben ist manchmal spannender als Fiktion" zu folgen, wer sich der Erzählung des Romanautors Javier Cercas ohne Vorbehalt hingibt und ihm folgt, ab dem Augenblick der Fernsehübertragung des Putsches am 23. Februar 1981, der Spanien in eine Diktatur zurückzuführen drohte, durch die Tage danach, die Wirren, die hektischen Verhandlungen zwischen Regierung, Militär, Guardia Civil, König ... wer das macht, wird mit einer Geschichte belohnt, die als Krimi nicht spannender sein könnte. Langsam, mit Bedacht und mit vielen Nebengeschichten webt Cercas die Ereignisse vor, während, und nach dem Putsch und die Persönlichkeiten und Rollen der Protagonisten zu einem komplexen, faszinierenden Bild zusammen. Man muss sich zuerst an einige Erzählweisen gewöhnen, die man in einem Roman, aber nicht in einem Sachbuch erwartet, die mehrmalige Wiederholung bestimmter Formulierungen wie "die Bildung einer Koalitions- oder Sammlungs-, oder Einheitsregierung", zum Beispiel, oder lange, sprachlich sehr ausgefeilte Sätze, literarische Schreibweisen, die einen zunächst etwas irritieren ... bis man sich darauf einlässt. Dann wird die Erzählung nicht nur ein Genuss. Nein, allmählich fällt es einem schwer, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. (Hat man dann noch den letzten, den allerletzten Absatz gelesen - und bitte, Ihr Leser, tut es nicht vorher, wartet wirklich, bis Ihr auf Seite 541 angekommen seid! - dem/der wird auch noch warm ums Herz.)