"Ich bin überzeugt, dass das Buch in der jetzigen Form fit ist" erklärt Doktor Schwegler im Vorwort. Das ist es leider nicht. Wer es sorgfältig liest, stösst dauernd auf dumme kleine Fehler, die das Lesen erschweren.
Beispiele gefällig? Ich wollte mal das Kapitel über den Blutkreislauf durcharbeiten und bin dauernd gestolpert. Zum Beispiel Abbildung 11b Seite 343: Die Lungenarterie ist als Lungenarterie angeschrieben und gleichzeitig mit einem weiteren Pfeil auch als Lungenvene. Dass das gleiche "Stück Schlauch" nicht gleichzeitig Arterie und Vene sein kann, dürfte doch schon bei oberflächlicher Betrachtung auffallen. Und der Pfeil in der Lungenvene, der die Fliessrichtung des Blutes anzeigt, ist verkehrt. Statt von der Lunge zum Herz zeigt er vom Herz zur Lunge. Mit solchen Fehlern bietet man den Lesern, die sich die Grundlagen im Selbststudium erarbeiten wollen, keine Unterstützung.
Oder Seite 347: "Die .... Arteriolen (10 - 100 m Durchmesser)..."
Selbst der medizinische Laie ahnt, dass die wohl kaum einen Durchmesser von 10 bis 100 Metern haben. Aber ob Mikrometer oder Nanometer gemeint sein sollten, muss er in einem anderen Buch nachlesen.
Das Buch verwendet - wie ein schlechter Lehrer - dauernd Fachausdrücke, bevor sie erklärt sind. Zum Beispiel ist ab Seite 347ff von Systolen und Diastolen die Rede, aber eine saubere Erklärung, was das ist, findet man erst auf Seite 359.
Nun denkt sich der verunsicherte Leser, da schau ich eben hinten im Sachverzeichnis nach. Denkste. Da steht Diastole, 355. Blättert man nun brav zur Seite 355, stellt man fest, dass dort dieses Wort überhaupt nicht vorkommt.
Dafür findet man auf Seite 355: "...Systole (S. 135)". Und was finden wir dann auf Seite 135? Dass wir jetzt total auf den Holzweg geraten sind, irgendwo in der Oberarm-Muskulatur.
Zugegeben, das alles sind kleine Fehler, aber für das Selbststudium eben sehr lästig. Man verliert Zeit damit.
Und dass Patienten den Stromstoss eines Defibrillators "wie einen Schlag mit einem Vorschlaghammer gegen die Brust erleben" ist platter Unsinn. Da würden ja die Rippen brechen. "Wie einen Faustschlag" wäre eine passende Formulierung (Seite 362).
Das sind nur einige Beispiele unter vielen - schon nur aus einem einzigen Kapitel. Mit einer sorgfältigen Korrekturlesung hätten sich die meisten Fehler eliminieren lassen. Aber leider sind auch die Erklärungen durchaus nicht immer sehr klar. Fazit: Für das Selbststudium kaum geeignet.
Ich empfehle stattdessen "Biologie, Anatomie, Physiologie" von Nicole Menche. Die Herausgeberin ist bescheidener als Doktor Schwegler: Sie bittet im Vorwort um Anregungen und Kritik.