ANATOMIE DER LIEBE trägt den Untertitel "Warum Paare sich finden, sich binden und auseinandergehen" - eine Frage, die sich bestimmt die meisten Menschen schon gestellt haben. Die Anthropologin Helen Fisher beschäftigt sich auf über 500 Seiten mit Themen wie Monogamie, Verliebtheit, Seitensprüngen und Trennung. Es geht ihr dabei vor allem um die angeborenen Aspekte dieser Phänomene. Abseits aller individuellen Unterschiede, versucht Fisher allgemeine Muster des menschlichen Paarungsverhaltens herauszuarbeiten, die unabhängig von Zeit und Ort wirksam sind. Fisher präsentiert dafür eine Fülle an Beispielen und Quellen. Sie schlägt einen Bogen von den ersten Menschen in den Jäger-und-Sammler Gesellschaften bis zur Gegenwart, von afrikanischen Eingeborenenvölkern bis zu den Beziehungsgeschädigten in den Metropolen der Ersten Welt. So zeigt sie etwa, daß unabhängig von der Kultur im dritten bis vierten Jahr die meisten Trennungen erfolgen, und daß die Gründe hierfür bis in die frühen Jahre der Menschheit zurückreichen. Fisher interpretiert den Menschen aus einer evolutionären Perspektive: menschliches Verhalten ist danach durch eine Jahrtausende lange Entwicklung geprägt. Viele dieser Prägungen finden sich in ähnlicher Form auch im Tierreich und die Autorin hat beispielsweise keine Skrupel menschliches Flirtverhalten mit dem von Beutelratten zu vergleichen. Aber gerade dieser prosaische Blickwinkel auf ein üblicherweise so poetisches Thema macht ihr Buch zu einer sehr lesenswerten Abwechslung. Helen Fisher hat keinen romantischen Traktat über die Liebe geschrieben. Wer also auf die liebgewonnenen rosaroten Illusionen nicht verzichten will, sollte die Finger von der Lektüre dieses Buches lassen. Aber wer sich gerade ernsthaft die Frage stellt, warum es beim letzten Mal schon wieder schiefgegangen ist, findet in ANATOMIE DER LIEBE einige aufschlußreiche Antworten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)