Der Begriff des Faschismus ist im allgemeinen Sprachgebrauch ziemlich verwässert und unklar. Robert Paxton versucht in seinem Werk "Anatomie des Faschismus" die verschiedenen Entwicklungsstadien faschistischer Bewegungen nachzuzeichnen. Mir hat dieses Buch endlich klare Kriterien zur Definition faschistischer Regime geliefert, während sich viele andere Historiker, die am Thema gearbeitet haben, gerne auf ein diplomatisches, aber wenig hilfreiches "genau kann man es nicht festlegen" zurück gezogen haben. Natürlich ist Paxtons Buch keine Faschismus-Checkliste, aber dennoch umreisst es die entscheidenden Charakteristika des Faschismus auf überzeugende Weise. Allgemein besticht das Werk durch eine gut verständliche, aber dennoch anspruchsvolle Schreibweise und prägnant formulierte Gedanken.
Paxton grenzt klar zwischen autoritär-konservativen Regimen und faschistischen Regimen ab: So zählt er Franco-Spanien nicht zu den faschistischen Staaten, und auch der Stalinismus wird von Paxton nicht als faschistisch angesehen - wobei Paxton aber die Grausamkeit dieser Regime keineswegs leugnet. Diese Eingrenzung des Begriffs schafft Klarheit und hilft bei einer differenzierten Beschäftigung mit der Zeit. Was das Buch ebenfalls empfiehlt: Neben einem klaren Kopf bei der nächsten Faschismusdiskussion wird man auch sein Wissen über die allgemeinen politischen Verhältnisse der Zwischenkriegszeit und der Kriegsjahre erweitern können, da Paxton seine Thesen anhand von Beispielen aus dem ganzen damaligen Europa untermauert.
Insgesamt ein höchst empfehlenswertes Werk, auch für Neulinge im Thema!