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Anatolin: Roman [Gebundene Ausgabe]

Hans-Ulrich Treichel
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

17. März 2008
Kein Verzeichnis körperlicher und seelischer Gebrechen kennt diese Krankheit, kein Arzt hat sie je diagnostiziert, und doch leidet manch einer darunter: "Morbus biographicus", zu deutsch: "autobiographische Entleerung". Das Symptom: fehlende Erinnerung an die eigene Kindheit. Am Ende steht der Verlust jedes biographischen Gefühls. Als Therapie bleibt nur, den fehlenden autobiographischen Faden erzählend neu zu spinnen. So wird für den Helden dieses heiter-melancholischen Buches eine Kindheit in der ostwestfälischen Provinz lebendig, in der der verlorene Bruder dominiert. Die Suche nach der eigenen Vergangenheit wird zu einer Suche nach den Eltern. Sie führt in den Osten, in ein abgelegenes Straßendorf in der Ukraine, dann in eine noch viel kleinere Siedlung im ehemaligen Wartheland in Polen. Was der Vergangenheitslose dort an Spuren seiner Vorfahren findet, ist nichts – und doch mehr als genug, um einen Roman daraus zu machen. Wer meint, in dieser Lebensgeschichte die Biographie des international erfolgreichen Autors Hans-Ulrich Treichel wiederzuerkennen, ist auf der richtigen Spur – und wird doch in die Irre geführt. In Anatolin gibt Treichel dem Thema seiner preisgekrönten Romane Der Verlorene und Menschenflug eine überraschende Wende. So entsteht ein raffiniertes, ebenso unterhaltsames wie witzig-kluges Vexierspiel mit den Voraussetzungen autobiographischen Erzählens, ein Tanz mit dem fremden Selbst auf der Suche nach der eigenen Biographie.

Wird oft zusammen gekauft

Anatolin: Roman + Der irdische Amor: Roman + Der Verlorene: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
Preis für alle drei: EUR 33,79

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 188 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (17. März 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518419595
  • ISBN-13: 978-3518419595
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 270.250 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das Schlußstück einer großen und virtuosen Erzählung. Hans-Ulrich Treichels Bücher halten fest: Nichts weiß man, am allerwenigsten über sich selbst.«

(Paul Jandl Neue Zürcher Zeitung )

Über den Autor

Hans-Ulrich Treichel, am 12.8.1952 in Versmold/Westfalen geboren, lebt in Berlin und Leipzig. Er studierte Germanistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 1984 mit einer Arbeit über Wolfgang Koeppen. Er war Lektor für deutsche Sprache an der Universität Salerno und an der Scuola Normale Superiore Pisa. Von 1985-1991 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin und habilitierte sich 1993. Seit 1995 ist Hans-Ulrich Treichel Professor am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig.
 


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Kundenrezensionen

3.6 von 5 Sternen
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Da macht sich also einer auf den Weg zu den Geburtsorten der Eltern obwohl er eigentlich gar nicht weiß warum. Er beschäftigt sich mit seiner Kindheit, an die er sich nicht erinnert, die er sogar abstreitet und trotzdem ist es seine. Typisch Treichel, dass sich dieses Unterfangen nicht jammerig und abgehoben darstellt, sondern so, dass man eigentlich oft lachen möchte (Obwohl es ja schrecklich ist, wenn man seine Kindheit so verdrängen will). Interessant auch die Passagen, wenn ihn Leser fragen, ob und wieweit denn seine Bücher autobiografisch seien.
Wieder mal ein großer Lesespaß, mit viel Anregung zum Nachdenken.

Ob man das Buch auch versteht, wenn man "Der Verlorene" nicht gelesen hat, weiß ich nicht. Ich habe bisher alle Treichels gelesen und bin von diesem wieder ganz begeistert (Der irdische Amor und Tristanakkord waren nicht so mein Ding).
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hier nagt die Kindheit in den Fünfzigern., 6. Mai 2008
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Der Autor Hans-Ulrich Treichels befasst sich in seinem neuesten biographischer Roman abermals mit seiner Kindheit und der Vergangenheit seiner Eltern, wie auch seiner Entwicklung als Schriftsteller. Indem der Westfale östlicher Herkunft das frühe Gestern gedanklich abzuwehren sucht, kann er sich davon nicht lösen. So wird es auf diese Weise zum Dauerthema.

"Denn nichts rückt mir so nah auf den Leib wie das, was ich fortlaufend abzuwehren suche ",( S.85), ist sich der Ich-Erzähler durchaus bewusst. Wieso eigentlich diese Abwehr, fragt sich der Leser und ist neugierig, welche Antwort Treichel bereithält.
Obschon ich beim Lesen anfangs dachte - Mensch, Junge, jetzt ist aber genug. Der Stoff ist ausgelutscht-, wurde mir nach ein paar Seiten klar, dass das Anliegen dieses Schriftstellers auch noch ein viertes Buch vertragen kann. Unabhängig von Treichels Fans, die ihn nicht grundlos aus stilistischen Gründen schätzen, dürfte das Klientel, das sich von der Thematik angesprochen fühlt, aber nicht sehr groß sein. Leider.

Auf dem Ich-Erzähler liegt die Qual einer Kindheit in den Fünfziger Jahren, die für viele Knaben an sich schon kein Zuckerschlecken war, wegen der zumeist schwarz getünchten, braunen Despotenväter. Auch der Vater des Erzählers züchtigt seine Kinder, die sich vor seinen Grobheiten fürchten. In dieser Kindheit ist Sparsamkeit das oberste Gebot und in der Folge auch die eifrige Mithilfe im Laden der Eltern. Diese haben im Osten Hab und Gut verloren und übertragen die Ängste - nicht bestehen zu können - auf ihre Kinder. Umsátzeínbußen im Geschäft des Vaters lassen bei dem Ich-Erzähler sofort Existenzpanik aufkommen. Als Kind von Heimatvertriebenen wird der Erzähler in Westfalen nur bedingt akzeptiert. Das war normal in jener Zeit, erwies sich aber nicht als Nachteil für die Kinder von so genannten Flüchtlingen, weil sie sich in der Regel intellektuell besser entwickelten als die Kinder der Verwurzelten, so meine Beobachtung.

Noch heute geistern Wörter, wie etwa "Lastenausgleich" durch den Kopf des Erzählers, weil sie einst von den Eltern pausenlos im Munde geführt wurden. Auch das war normal, weil die Menschen aus dem Osten sich finanziell benachteiligt fühlten. Gut das er diese Normalitäten benennt, so werden sie wenigstens nicht vergessen.

Optisch lies sich der vergangene Krieg an dem amputierten Arm seines Vaters festmachen. Kriegversehrte gab es in jenen Tagen noch viele. Sie hinterließen in Kindern allgemein einen Eindruck, den Treichel leider zu wenig beschrieben hat. Darüber nachzudenken und zu recherchieren ist gewiss sehr ergiebig.

Die Eltern übermittelten dem Kind offenbar keine historischen Familienfakten, schwiegen sich, aus welchen Gründen auch immer, aus. Wo lebten seine Großeltern? Weshalb kannte er sie nicht? Was war mit den Vorgenerationen? Jahrelang hat er diese Fragen weggedrängt.
Er leidet an biographischer Entleerung, wie er konstatiert.

Die unbewältigte Vergangenheit seiner Eltern holt den Ich-Erzähler heute ein. Es geht nicht darum sich die so genannte "alte Heimat" seiner Vorfahren aufzusuchen oder seinen, während der Vertreibung verloren gegangenen, älteren Bruder wieder zu finden. So lässt sich sein Vergangenheitsproblem nicht bewältigen. Deshalb auch ist es notwendig für ihn abermals zur Feder zu greifen. Die Frage, die sich stellt, ist: Macht es Sinn in einer globalisierten Welt beinahe fiebrig nach alten Verwurzelungen zu forschen? Mir scheint, der Ich-Erzähler sucht etwas anderes als er vorgibt zu suchen.

Bin neugierig auf Treichels vierten Roman zum Thema. Er wird den Leser sicher nicht im Ungewissen lassen.
Stilistisch ist auch diesen Buch wieder superb.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3.0 von 5 Sternen Der Verlorene - zum Dritten und Letzten? 18. Oktober 2012
Von B. Gutleben TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Treichel greift das Motiv des während der Flucht seiner Eltern 1945 verloren gegangenen ältesten Bruders nun bereits zum dritten Mal in einem Roman auf. 1998 hat er es erstmals in Der Verlorene literarisch recht erfolgreich aufgearbeitet, ist aber offenbar für sich persönlich damit noch nicht ins Reine gekommen. 2005 begegnet uns das Thema in dem weniger autobiographisch ausgerichteten Menschenflug erneut, aber anscheinend war sein dortiger Protagonist bei der Suche nach dem Bruder schon weiter fortgeschritten als er selbst, so dass der Autor sich nun wohl tatsächlich auf die Reise nach Polen zu dem Anatolin (und nicht Anatolien) heißenden Heimatort seiner Mutter begibt. Weil es dort letztlich ebenso wenig zu berichten gibt wie im ukrainischen Geburtsort seines Vaters, wäre die Story eigentlich schnell erzählt - den größten Teil des Buches füllen daher rückblickend Stationen seiner eigenen Biographie von der Kindheit in Ostwestfalen über seinen Italienaufenthalt bis zu seiner Gegenwart in Leipzig, wobei manches (wie der »Bielefeldhass«) nur noch in die Kategorie »touristische Anekdoten« (Chr. Schröder in der FR) gehört, während andererseits Exkurse über seine literarischen Vorbilder, seine schriftstellerische Arbeitsweise oder die Publikumsreaktionen auf seine vorherigen Bücher nicht so recht in einen Roman passen. Zudem kommen mir etliche Passagen und Details aus früheren Publikationen (oder Vorträgen) Treichels schon irgendwie vertraut vor, so dass es mir hier und da so scheint, als setzten Autor und/oder Verlag etwas zu sehr auf den Sequel-Effekt, der sich aber spätestens jetzt abgenutzt hat - ebenso wie das Spekulieren über das exakte Verhältnis der autobiographischen und fiktionalen Anteile, zu dem Treichel gern selbst animiert, mich irgendwann ermüdet.
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