Der Geiger auf dem Dach sieht hinunter auf das kleine jüdische Dorf Anatevka (so auch der deutsche Musicaltitel). Hier lebt der Milchbauer Tevye mit seiner Frau und seinen fünf Töchtern und träumt vom großen Geld ("If I Were A Rich Man"). Aber die Zeiten sind schlecht und seit sein Pferd lahmt, schiebt der herzensgute Tevye seinen schweren Karren selber. Außerdem dreht die Welt sich auch im zaristischen Rußland weiter und so muß Tevye Schritt für Schritt seine liebgewonnenen Traditionen aufgeben ("Tradition").
So wollen seine Töchter nichts mehr wissen von Heiratsvermittlern ("Matchmaker"). Das neue Motto heißt: "Nur die Liebe zählt" ("Miracle Of Miracels"). Trotz Heiratsversprechen mit dem - viel zu alten, aber reichen - Metzger des Dorfes, will Tochter Nr.1 nur das tapfere, aber erfolglose Schneiderlein heiraten. Der Pantoffelheld Tevye überzeugt seine Frau dank erfundenem Traum und dessen geschickter Deutung a la "Joseph" von der Liebesheirat ("Sunrise, Sunset").
Tochter Nr.2 ist in einen politisch aktiven jüdischen Studenten verschossen, der a la "Les Miserables" bei einer Kundgebung gefangengenommen wird. Seine frischgebackene Frau folgt ihm ins Gefängnis nach Sibirien.
Doch Tochter Nr.3 kann Tevye nicht verzeihen, daß sie sich für einen jungen russischen Soldaten entschieden hat. Ohne den jüdischen Glauben verstößt er sie, kurz bevor alle Juden ihr geliebtes Anatevka per Dekretbeschluß der Russen verlassen müssen. Die einst so glückliche Familie zerbricht im Exodus, aber der Geiger macht Hoffnung mit einem jüdischen Lied...
Das erfolgreiche Musical von Jerry Bock (Musik) und Sheldon Harnick (Texte) feierte 1964 seine Broadwaypremiere und wurde inklusive der Neuinszenierungen von 1972 und 1991 mit insgesamt 11 Antoniette Perry Awards (Tonys) ausgezeichnet. Grund genug, den Stoff 1971 unter der musikalischen Leitung von John Williams (Komponist der "Star Wars" Filme) mit Topol in der Hauptrolle zu verfilmen (3 Academy Awards, Oscars, für beste Musik, besten Ton und beste Kamera).
Dieser Klassiker wurde schon für den englischen Markt mit digitalem 5.1 Soundtrack aufgepeppt und war bereits als DVD-Import erhältlich. Das Bild weist zwar einige Kratzer auf, ist aber dennoch brillant braun und im 1:2,35 anamorphen Breitbildformat perfekt wiedergegeben. Der "neue" Ton ist bei den Musikstücken erfreulich transparent und in den Chorsequenzen auch entsprechend räumlich tief. Aber bei der vorliegenden Fassung sind Englischkenntnisse angebracht, da es keine deutsche Sprachfassung und keine deutschen Untertitel gibt. Doch das ändert sich mit dieser SPECIAL-EDITION, bei der auch eine deutsche Tonspur in Dolby-Digital 5.1 vorliegen wird (hoffentlich auch mit gleicher Sorgfalt "modernisiert" wie die bisherige Ausgabe!).
Als Bonus erzählen Regisseur und Hauptdarsteller Wissenswertes über die Dreharbeiten auf einer weiteren Tonspur - und das auf den gesamten, knapp 180 Minuten des Filmes. Weiterhin gibt es noch den Original-Kinotrailer zu sehen, was auf der SPECIAL-EDITION mit weiterem Bonusmaterial aufgepeppt werden wird.
Fazit: Den Klassiker im englischen Original sollte man sich nicht nur leisen, "wenn man einmal reich wär"...