Aus der Amazon.de-Redaktion
Oliver Maria Schmitt hat mit seinen zarten vierzig schon Einiges auf dem Buckel.
Titanic-Chefredakteur, Musicalschreiber, diverse Buchveröffentlichungen im Dunstkreis der Neuen Frankfurter Schule. Nachdem er die Schnauze voll hatte, wie die Klappentext-Bio verkündet, besann Schmitt sich auf eine lang zurückliegende Episode seines Lebens, die wilden Jahre in seiner Heilbronner Punkband Tiefschlag. Da man, obgleich man inzwischen saturiert auf eine gänzlich unpunkige Erfolgsbilanz zurückblicken kann, im Herzen immer Punk geblieben ist, nennt OMS seine Spurensuche nach der fiktiven Gruppe Senf und ihrer hübschen Sängerin Itty Lunatic einen Punkroman für die besseren Kreise. Willkommen also im Club der wilden Dichter Jaud, Illies, Lottmann und Co.
Peter Julius Hein (Schmitt himself) und Dr. Hollenbach, weder als Drummer Hollo noch als Arzt sonderlich respektabel, geraten auf eine Revival-Tour der seltsamen Art. Bodo, der Ex-Bassist, residiert inzwischen als bräsiger Immobilien-Mensch in einer Protzvilla mit Überwachungskameras in bester Stuttgarter Hanglage. Gleichermaßen verstörend wie süß, dieser menschliche Hai hätschelt und hegt in seinem Hochsicherheitstrakt Südwestdeutschlands drittgrößte Sammlung von Überraschungseiern! Immerhin weiß der Neureichen-Punk, dass Itty mit Rolfi, einem weiteren Ex-Senfkorn in der Ostzone untergetaucht sei. Bad news für Peter Hein, dem die Zone nach wie vor angstbesetztes Feindgebiet ist. Doch wo die Angst ist, ist der Weg!
Im dauerironisierenden, zuweilen gestelzt herablassenden Tonfall geht nun ein wahres Gagfeuerwerk auf den Leser herab. Wie Ethnologen im unbekannten Dschungel treiben Hein und Hollo im thüringischen Fettnebelmeer von Ilkas Iss Was!?-Wurstbude Verhaltensstudien. Kritisch vermerkt werden die Störkraft- und Oithanasie-Tattoes von Ilkas erlauchtem Kundenkreis, die jedem echten Punk bitter aufstoßen. Westliche Aufklärungsarbeit tut Not. In dem folgenden, kein Ost-Klischee auslassenden Roadmovie hagelt es Merkel-Beleidigungen, die jedem Anwalt Schweißausbrüche verursachen dürften, fliegende Rostbratwürste als Slapstick-Requisiten, sowie Rückblenden in die glorreichen Tage der Gruppe Senf auf dem 7. Brackinger Backhausfeschtle, jenem magischen Ortstermin, bei dem Hein seiner Itty auf offener Bühne seine Liebe erklärte.
In besinnlicheren Momenten ist Anarchoshnitzel (Senfs zeitweiliger Zweitname) ganz einfach ein sentimental journey in die Regionen früher Rebellion und verloren gegangener Träume. Ob Gruppe Senf ihren zweiten Frühling erlebt, Hein Itty bekommt --, der Leser mag über die Bedeutung beider Ereignisse entscheiden. --Ravi Unger
Kurzbeschreibung
Chaos und Anarchie, Sex, Bullen, Bier und Rock 'n' Roll? Fehlanzeige! Hier geht's voll gesittet zu: Peter Julius Hein hat Angst vor dem Osten, und sein tablettensüchtiger Freund Dr. Hollenbach ist gar kein richtiger Arzt. Dennoch brettern die beiden jungen Altpunks mit einer illegal beschafften Staatskarosse ostwärts, um die Reste ihrer alten Band wieder zusammenzutrommeln - es droht nämlich ein unverhofftes Comeback. Die Motive der Mitspieler sind dabei höchst ehrenwert: Geldgier, Langeweile, Rache und Sehnsucht nach Liebe. Was in der BRD der Ära Kohl begann, soll in Merkels neuen Ländern seine Erfüllung finden: Peter Heins private Wiedervereinigung mit seiner alten Jugendliebe, der mirakulösen Sängerin Itty Lunatic. Wie in diesem ohnehin überschäumenden Gefühlschaos dann doch noch Bullen, Bier und Rock 'n' Roll zu ihrem Recht kommen, erzählt dieser weltweit erste "Punkroman für die besseren Kreise". Ein Road-Roman zum Einsteigen und Mitfahren, voller Witz und Ironie. Schmitts unkorrektes Debüt rauscht respektlos durch die gesamtdeutsche Realität von Rügen bis Chemnitz, durch die bewegte Punkgeschichte von damals bis heute.
Über den Autor
Oliver Maria Schmitt, Jahrgang 1966, legte 2006 mit seinem Erzähldebüt «Anarchoshnitzel schrieen sie» den weltweit ersten «Punkroman für die besseren Kreise» vor. 2008 erschien von ihm «Der beste Roman aller Zeiten». Schmitt ist Mitherausgeber der «Titanic» und manchmal auch journalistisch tätig. Für seine in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» erschienene Reportage «Ich bin dann mal Ertugrul» wurde er 2009 in der Kategorie «herausragende unterhaltsame, humorvolle Berichterstattung» mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnet.