Die Punkband Gruppe Senf hatte Anfang der 1980er Jahre ein Konzert in Hellingen. Danach trieb es die einzelnen Mitglieder in alle Winde. Nun, knapp 20 Jahre später, soll eine Reunion stattfinden und das auch noch vor laufenden Kameras. Peter Hein, zweiter Gitarrist der Band und Erzähler dieses Romans und sein Kumpel Dr. Hollenbach, machen sich auf Richtung Osten, um auch den Rest der Band zusammen zu trommeln. Was folgt ist ein regelrechtes Feuerwerk an satirischen Elementen und Gags, dass ich recht oft schallend lachen musste, zumindest aber über weite Strecke ein breites Grinsen im Gesicht hatte. Und auch obwohl die ein oder andere Szene etwas überbrodend dargestellt ist, wirkt der Roman nur selten etwas platt und ist immer authentisch. Man stelle sich nur einen Haufen Mittdreißiger vor, deren Lebensentwürfe mehr oder weniger weit von der ehemaligen Punkeinstellung entfernt sind, die dann aber doch irgendwie das Ding durchziehen wollen. Peter geht es primär wohl nur um seine Flamme Itty Lunatic, Sängerin, die er auch schon seit 18 Jahren nicht mehr gesehen hat, für die er aber immer noch tief zu empfinden scheint, die jetzt aber einen auf Aktivistin macht und in einem Schlammloch lebt. Dann gibt es noch den pillensüchtigen Osthasser Hollenbach, der an jeder Ecke schlimmstes befürchtet, Krämer, der reich und bequem geworden ist mit seiner Frau Andrea, die nicht die Treuste zu sein scheint. Desweiteren Rolf, der Keyborder und Soundtüfftler, der auf einer Farm tief im Osten Dope verkauft und sich vornimmt das längste und langsamste Punkstück aller Zeiten zu schreiben. Und natürlich darf auch der Manager nicht fehlen, eigentlich kann und konnte ihn niemand leiden, aber immerhin bracht er Gruppe Senf mal in die Charts. Wird Peter seine Itty bekommen? Werden sie die Reise durch den Osten überleben? Und findet das finale Konzert noch statt?
Ich konnte teilweise nicht mehr vor lachen. Die Punk- und Skinheattitüde wird dermaßßen karikiert, dass sogar eine schwule Figur namens Thor Steinar auftaucht, sich als Demokrat ausgibt und als Bodyguard für die Band arbeiten soll. Satirisch spielt Schmitt hier mit der Kommerzialisierung des Punk und vor allem mit der "Punk's not dead!"- Einstellung, die auch heute noch aktuell ist. Immer wieder werden Texte wahrer Punkheroen wie Daily Terror, Toxoplasma, Slime, Canalterror, Chaos Z, Sex Pistols (natürlich), Ramones (genauso natürlich) und und und zitiert, von jeder zweiten Seite grüßt Hunter S. Thompson, da vieles in Anlehnung an ihn und vor allem sein "Fear an Loathing..." geschrieben wurde. Nur allein schon Dr. Hollenbach ist unschwer als der deutsche Dr. Gonzo erkennbar...so ein bisschen (was als Hommage und nicht als Diebstahl zu verstehen ist!). Vor allem ist das Buch also äußerst unterhaltsam, ich habe derart viele neue Wortkreationen gelernt, die unbedingt zahlreich in meine Alltagssprache einfließen müssen und irgendwie auch ein bisschen zeitgeschichtlich, wenn man sich denn die Zeitgeschichte von einem Altpunk erklären lassen will :-) Eins der witzigsten Bücher überhaupt. Trotzdem nur 4 Sterne, weil manche Stellen ein wenig hinken und konstruiert wirken. Dennoch wünsche Ich dem Buch unzählige Fans und Leser!!