Mir ist klar, dass ich das Buch im Vergleich zu eine anderen Romanen Gaimans einschätze. Als unabhängiges Buch hätte "Anansi Boys" vielleicht einen Stern mehr bekommen. 5 Sterne könnte ich aber nicht vergeben.
Denn "Anansi Boys" ist so eines dieser "okay"-Bücher. Neil Gaiman hat einen sehr speziellen Schreibstil, der immer eine Menge herausreißt, auch oder gerade in den schwächeren Momenten seiner Geschichten. Und davon profitiert auch dieses Buch.
Der Roman lässt sich im Gegensatz zu einigen anderen Werken Gaimans sehr locker und leicht lesen, die sonst oft so typischen Labyrinth-artigen Handlungsverstrickungen fallen zu Gunsten einer sehr geradlinigen, allerdings leider auch sehr voraussehbaren, Handlung weg. Die Traumpfade, bei denen fiktive Realität und das völlig Irreale wie selbstverständlich ineinanderfließen, bleiben "verbraucherfreundlich" im gut verständlichen Bereich. Man könnte sich das Buch auch gut als Hollywood-Film vorstellen: Durchschnittstyp lernt durchgeknallten, lebenslustigen Verwandten mit ungewöhnlichen Fähigkeiten kennen, dadurch verändert sich sein eigenes Leben - Überraschung - total.
Anansi ist ein Spinnengott, der in Gaimans "American Gods" kurz vorkommt und dort mit einer wirklich amüsanten Episode über die Entstehung der Feindschaft zwischen Affen und Tigern auffällt. Vermutlich fand Gaiman die Figur witzig und entschied sich daher, einen kürzeren Roman über Anansis Söhne zu machen. Das Buch funktioniert aber auch ohne jede Kenntnisse von "American Gods", es wird kein wichtiger Bezug auf den älteren Roman genommen und Anansi selbst spielt, da er gleich zu Anfang verstirbt, keine größere Rolle.
Sicher kommt "Anansi Boys" gut an, weil es eben ein eher unbeschwerter, lustig und nett zu lesender Roman ist. Am Ende sind auch alle zufriedener als zu Anfang. Gute Unterhaltung.
Aber meiner Meinung nach nicht Gaiman in Hochform. Den findet man eben in "American Gods", "Neverwhere", in der Comicreihe "Sandman" und in einigen seiner Kurzgeschichten. Immer dann, wenn er Geschichten schreibt, die kein anderer so hätte schreiben können. Geschichten, die man eigentlich mehrmals lesen muss, denn nicht alles erschließt sich auf Anhieb. Vieles sogar gar nicht.
Und das ist sicher der Grund, warum ein "typischer Gaiman" oft als sperrig oder "unlogisch" empfunden wird. Nicht jeder Leser kann sich damit anfreunden, wenn die Figuren seltsam unwirklich bleiben, die Geschichte scheinbar keinen klaren Handlungsfaden hat und man am Ende nicht die übliche "ach, so ist das!"-Auflösung vor sich liegen hat.
Hier aber - versprochen - bekommt man einen ganz "normalen" Unterhaltungsroman, ein wenig Nick Hornby mit Mystikeinschlag.