"Anand im Schattenland" ist der dritte Band der märchenhaften Abenteuer-Trilogie "Die Muschelbruderschaft". Waren Anand und Nisha in den ersten zwei Bänden in der Gegenwart und Vergangenheit Indiens unterwegs, führt es sie jetzt in eine Zukunftswelt. Dieser dritte Band ist düsterer und von mehr Zweifeln, Niedertracht und Verrat geprägt. Es handelt sich um eine klassische Dystopie, die die Abgründe einer Gesellschaft zeigt, welche von einer übermächtigen, gewalttätigen Elite beherrscht wird. Diese schreckt auch vor Folterung und Mord nicht zurück, Menschen werden allein aufgrund ihrer Fähigkeiten und Herkunft diskriminiert. Auf Nisha und Anand wirkt diese Welt sehr fremd. Obwohl sie beide die Gewalt und Ungerechtigkeiten auf den Straßen Kolkattas am eigenen Leib erlebt haben, sind die Methoden der Unterdrückung in dieser Welt auch für sie ein Schock. Ebenso dürften jüngere Leser diese Umgebung wahrnehmen und können sich daher ein weiteres Mal mit den beiden jungen Hauptcharakteren sehr gut identifizieren.
Anands Selbstzweifel, die ihn im zweiten Band der Trilogie "Anand und der magische Spiegel" noch sehr stark beschäftigt haben, rücken hier in den Hintergrund und machen der Sorge um seine Freunde und das Silbertal Platz. Neben all der rücksichtslosen Gewalt gegen Menschen, finden Anand und Nisha auch im Schattenland Freunde, was auch für die Leser ein gewisser Halt in der trostlosen Gegend sein dürfte. Märchenhaft ist diese Geschichte nun kaum noch, viel mehr verstörend und für manchen sicher auch Angst einflößend, ohne jedoch jemals zu brutal zu werden. Die Auflösung der Erzählung und das Ende sind wieder einmal voller philosophischer Tiefe und bilden einen wunderbaren Abschluss. Zu schade, dass die Trilogie mit den drei Büchern dann tatsächlich schon ihr Ende gefunden hat.
"Anand im Schattenland" ist Fantasy-Literatur mit Anspruch, hohem Unterhaltungswert und philosophischen Tönen für junge Leser. Und auch für Erwachsene bietet sie hervorragenden Lesegenuss!