Tja,
meine Vorredner/Schreiber haben durchaus recht,
es ist eine wunderbare Erzählung in exotischer Umgebung.
Mein 12. jähriger Neffe war sehr beindruckt von der Schilderung von Anands Armut
und dessen Einsatz für seine Familie.
(Pädagogisch wertvoll!)
ABER:
1.
Die Wertvorstellungen im Hintergrund teile ich nicht,
sie sind in ihrer Priorisierung der zwischenmenschlichen Beziehung sehr, sehr asiatisch/indisch geprägt.
Mein Neffe fragte mich, ob es wirklich unehrenhaft sei,
wenn man einem Kollegen etwas nicht erzählt,
weil man es einem Dritten versprochen hat.
Dazu kann jeder sich natürlich seine eigene Meinung bilden,
aber so pauschal, wie es im Roman geschildert wird,
halte ich es für absolut falsch,
denn es kann sehr wohl richtig sein,
ein Versprechen zu halten,
auch wenn man einem Kameraden deshalb nicht alles erzählen kann.
2.
Was aber wirklich TOTAL NERVT,
ist das oberdämliche Verhalten von Anand.
Mein Neffe fing an,
auf und ab zu hüpfen
und dem unsichtbaren Anand Anweisungen und Hilfestellungen zuzurufen.
Zwischendurch verstieg er sich zu "das darf ja wohl nicht wahr sein" und
"o Mann, ist der blöd!!!".
Ich habe dann erst mal ein bisschen zugehört,
(später dann vollständig gehört)
und in der Tat,
es ist unglaublich, wie dämlich sich Anand verhält.
Er ist völlig unfähig, einen Gedanken konsequent zu verfolgen
und leidet auf der einen Seite unter hoffnungsloser Einfältigkeit
(läuft jedem hinterher, der ihm Süßigkeiten bietet)
und auf der anderen Seite unter unmotivierter Paranoia.
Ein Individuum, dass ihm zweimal hintereinander das Leben rettet,
verdächtigt er 5 Minuten später,
ihn in eine tödliche Falle zu locken.
Zudem ist er sehr oberflächlich und eifersüchtig, möchte den Alten für sich allein haben, vergisst ihn aber mehrfach einfach (vergisst ihn mitzunehmen).
Alles in allem geben die letzten beiden Punkte drei Punkte Abzug,
denn so sehr die Geschichte am Anfang einen gefangen nimmt,
so wird es zunehmend immer schwieriger Anand und seine kruden Gedankengänge zu ertragen.
Äußerst starker Anfang
aber leider stark nachlassend - schade.