Kurzbeschreibung
Ansichten, Wertungen, Kommentare, Anregungen für den Deutschunterricht - Geeignet für Schüler ab Klasse 10 Oberstufe - Vorbemerkung - Ulrich Plenzdorf und sein ""W."" - Zeit und Geschichte - Romanaufbau - Charakteristika - Im Fokus: Edgar Wibeau - Kräftefelder - Edgar und die anderen - Edgar und die Bücher - Edgars Tod - Edgar und sein Autor - Stichwörter zum Memorieren - Meilensteine: Autoren und Werke vor und neben Plenzdorf - Skizzen zum Unterricht: Goethes ""Werther"" und Plenzdorfs ""W."" - Anhang - Plenzdorf: Lebens- und Werkdaten - Literaturverzeichnis
Über den Autor
Ulrich Plenzdorf wurde 1934 in Berlin gebren. Nach seinem Studium an der DDR-Filmhochschule in Babelsberg arbeitete er als Drehbuchschreiber ( Die Legende von Paul und Paula ). Sein Roman "Die neuen Leiden des jungen W." (1972) ist eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher überhaupt. 2007 verstarb Ulrich Plenzdorf.
Auszug
Die Aufmerksamkeit muß zunächst mehr Plenzdorfs als Goethes Roman gelten: "Die neuen Leiden des jungen W." sind ein Thema ohne Ende. Die Auflagenzahlen sprechen eine deutliche Sprache. In den Schulen diesseits der Demarkationslinie steht der Roman ganz oben auf der Leseliste. Er kommt bei den Jugendlichen (immer noch) an. Folgt man Schüleräußerungen, ist der Hauptgrund in dem 'starken Typen da, dem Wibeau', zu suchen. Er spricht die Sprache der Jugend, obwohl auch sie in den vergangenen 12, 13 Jahren anders geworden ist. Grund genug, noch einmal zu überdenken, was das 'Zeitlose' an Plenzdorfs Roman und seinem Helden ist, und in diesem Kontext auch einmal zu überprüfen, wo da eigentlich Goethes "alter Werther" einzuordnen ist. Daß er dazugehört, notwendigerweise, wird von den Schülern akzeptiert. Das sollte aber niemanden, der mit Schule und (Deutsch-)Unterricht zu tun hat, zum Trugschluß verleiten, Goethes "Werther" sei nun ganz oben in der Hitliste der Schullektüren zu finden. Soviel sei schon hier gesagt (mehr im Kapitel "W. und W. im Unterricht" - IV.): Die Begeisterung der Schüler hält sich in Grenzen, was den "Klassiker" angeht, trotz eines Helden mit sehr jugendnahen Gefühlen und Problemen.
Wir fänden es sehr bedauerlich, wenn Goethes Jugendroman im Unterricht nur herangezogen würde, um die Schüler die in Plenzdorfs Romantext einbezogenen Werther-Zitate aufspüren und damit am Original und zugrundegelegten 'Modelltext' ein wenig schnuppern zu lassen. Andererseits ist aber auch der 'moderne Werther' zu wertvoll, um nur als Aufhänger benutzt zu werden, daß die Schüler damit unausweichlich zu Goethe kämen.
Beide Romane bedürfen einer intensiven Zuwendung; für beide braucht der Unterrichtende einen langen Atem, der Schüler ebenso. Vergleichen sollte man sie im Unterricht nur, wenn sichergestellt ist, daß unfruchtbare Halbherzigkeiten ("hier ein bißchen Goethe" - "dort ein bißchen Plenzdorf") ausgeschlossen werden können. In der Regel ist das nur in Leistungskursen der gymnasialen Oberstufe, Arbeitsgemeinschaften und mit deutlichen Einschränkungen in Klassen 10 an Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen (NRW Typ 1 OB) möglich.
In den genannten Stufen bzw. Klassen können die zuvor erworbenen Grundlagen einer "poetischen und kritischen Kompetenz" im Literaturunterricht differenziert ausgebaut und vertieft werden." Unser Beitrag zielt darauf ab, dem Unterrichtenden, der sich auf eine detaillierte Arbeit mit den "alten und neuen Leiden" im Unterricht einlassen will und kann, aber auch dem von jeder Unterrichts- bzw. Studienverpflichtung unabhängigen Leser unterschiedliche Sichtweisen auf Fragwürdigkeiten und Bedeutung beider Romane nahezubringen. Dies kann nur ausschnitthaft geschehen. Wir hoffen, daß es uns dennoch gelungen ist, die einzelnen Aspekte trennscharf genug und für den Leser nachvollziehbar darzulegen.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.