Zuerst verfolgte ich die Diskussion um Sarazin in den Medien. Irgendwann wollte ich mir eine eigene Meinung bilden und habe sein Buch gelesen -- und auch Sekundärliteratur wie das hier rezensierte Heftchen.
Nach der Lektüre dessselben war ich schockiert, wie schlecht Bücher sein können und es dennoch auf den Markt schaffen. Die Autorin versucht schon gar nicht, strukturiert, analytisch oder auch nur annähernd neutral an das Thema ran zu gehen. Das könnte man ja noch akzeptieren wenn es inhaltlich hilfreich wäre. Aber auch hier versagt die "Journalistin" auf voller Linie. Boah hab ich mich geärgert...
Ein paar Beispiele:
Sie möchte Sarazin in seinen Aussagen zu Migranten und Bildung derselben widersprechen und zeigt "Fakten". Dummerweise widerlegen diese Fakten Sarazin nicht, sondern sagen genau das aus, was Sarazin ebenfalls sagte. 6,5% der Migrantenkinder haben keinen Schulabschluss vs. 1,5% der dt. Kinder. Für die Autorin sind das "lediglich fünf Prozent", dass es über Faktor vier ist sieht sie nicht.
Sie wirft Sarazin vor, dass er Daten selektiv darstellt. Sie selbst führt nicht mal die Quellen ihrer Informationen auf und zitiert aus Analysen, die lediglich für NRW gelten oder irgendwo von einzelnen Personen veröffentlicht wurden.
Eine Publikation einer "Doktorandin" soll angeblich Sarazins Thesen der höheren Fortpflanzungsquote von Migranten verwerfen. Als die Autorin dann zitiert wird deutlich, was die Doktorandin tatsächlich gemeint hatte -- und dass dies nicht Sarazin widersprach sondern der Autorin selbst.
Es folgen noch weitere diffuse Argumentationen, Ausführungen über die Integrationspolitik von Kanada (ups, haben wir doch ein Problem oder warum kommt Kanada hier als Musterland, häh?), eine Verschwörungstheorie weshalb das Buch so bekannt wurde (gepusht von CDU, SPD, Springer etc.) und zuletzt das Fazit, dass Junge mit Migrationshintergrund Deutschland verlassen sollten (äh, was? Woraus wurde das jetzt nochmal abgeleitet, hab ich was verpasst?).
Boah, ich habe noch nie in meinem Leben einen so schlechten Text von einer angeblich professionellen "Journalistin" gelesen. Ich habe kein Verständnis hierfür und auch nur eine Hand voll Erklärungen:
- entweder die Autoren hatten nur 1 Tag Zeit, den Text zu schreiben und haben dann halt mal irgendwas gelabert oder
- sie standem unter Drogen oder
- sie brauchten das Geld...
Fazit:
Lehnt ab, wenn Euch jemand 50 ¤ bietet, es zu lesen!
Was mich noch wundert:
Das Buch hat hier zwei Bewertungen mit 5,0 erhalten. Schon außerordentlich komisch, dass der Rezensent "Thunderstorm" insgesamt nicht all zu viele Bewertungen abgegeben hat, aber die Bücher der beiden Autoren dabei sind -- natürlich jeweils mit Bestnote 5,0...
ps: wie weit ist es mit dem Journalismus in Deutschland gekommen? Peinlich!