Wer häufig auf der Suche nach Detailinformationen über Analgetika ist, landet zwangsläufig irgendwann beim "Waldvogel": Wie war nochmal die µ-Rezeptoraffinität von Pethidin? Oder die Plasmaeiweißbindung von Ketoprofen? Bei solchen Fragen greift der Besitzer dieses Buches entspannt ins Regal, statt sich auf ermüdende Recherche-Trips zu begeben.
Auf über 800 Seiten werden nicht nur alle möglichen und unmöglichen Analgetika pharmakologisch besprochen (selbst zu Exoten, die vor Jahrzehnten mal kurze Gastspiele in der Medizin gaben, findet man Informationen), auch die physiologisch-pharmakologischen Grundlagen der Schmerzverarbeitung werden ausführlich und detailreich (wenn auch nicht immer mit "rotem Faden") dargestellt. Die riesige Liste von Quellenangaben wurde sinnvollerweise auf eine CD ausgelagert.
Schwächen zeigt das Buch jedoch, sobald der Bereich der eigentlichen Analgetika verlassen wird: Der Titel lässt ein umfangreiches Nachschlagewerk über die in der Schmerztherapie verwendeten Substanzen erwarten - und genau das findet der Leser nicht: Der Bereich der Koanalgetika wird streckenweise eher stiefmütterlich behandelt - beispielsweise werden 2 Seiten (von insgesamt mehr als 800) über Antiepileptika der Bedeutung dieser Substanzgruppe nicht gerecht.
Gegen Ende des Buches finden sich einige deplaziert wirkende Kapitel über klinische Aspekte, die dem Werk offenbar ein interdisziplinäres Feigenblatt verleihen sollen: Wer sucht denn ernsthaft Informationen über interkulturelle Aspekte der Schmerzwahrnehmung oder organisatorische Mängel der postoperativen Schmerztherapie in einem Pharma-Buch? Diesen Raum hätte man entweder den zu kurz gekommenen Substanzen widmen oder aber dem größten Mangel des Buches abhelfen sollen: Dem Fehlen eines Stichwortverzeichnisses!
Jawohl, richtig gelesen: Hier wurde ein Werk mit 13seitigem Inhaltsverzeichnis, gewöhnungsbedürftiger Gliederung, hunderten von Substanzen und zigtausenden von Einzelinformationen ohne Index herausgebracht! Auf diese Weise vergeht viel Zeit, bis man bemerkt, dass z.B. die Coxibe bei den Koanalgetika eingeordnet sind und man Celecoxib daher zwischen Capsaicin und Ciclosporin findet. So mancher Informationsschatz bleibt hier ungehoben.
Die Zeit ist ohnehin reif für eine Neuauflage - das Wissen in diesem Bereich hat sich seit der Jahrtausendwende massiv erweitert. Wenn Autoren und Verlag hierbei den "zu kurz gekommenen" Substanzen zu ihrem Recht verhelfen und insbesondere einen vernünftigen index einfügen, wird dieses Buch seinem Anspruch gerecht werden und ein "must have" für jeden sein der das Thema "medikamentöse Schmerztherape" ernst nimmt.