Dieser Text ist in deutscher Sprache kaum zu ertragen. Das liegt nicht am Übersetzer, sondern an der Eigenart des Altgriechischen, viel in wenigen Worten zu sagen. Das Original ist ein linguistisches Meisterwerk, aber wer traut sich schon 250 Seiten auf altgriechisch zu? So muss der Interessierte wohl oder übel in den deutschen Reclam-Apfel beißen. Und kommt trotzdem auf den Geschmack. Die Geschichte des 10 000 Mann starken Heeres, das verloren durch ganz Persien zieht ist klassischer Hollywoodstoff (Graecophile mögen mir verzeihen). Kämpfe und Intrigen wechseln einander ab. Über allem steht der Heerführer Xenophon und rettet ein ums andere Mal die Situation. Dass Held und Autor eine Person sind, schien um 400 v.Chr. niemanden zu stören. (Man stelle sich das heute vor: Günter Grass als Oskar Mazerath!) Schön sind die damaligen Erzähltraditionen. Stirbt eine wichtige Figur, würdigt der Autor sie, indem er nach dem Unglück ein Kapitel Biografie des Verstorbenen anfügt. Derartiges zu entdecken bietet die Anabasis viele Gelegenheiten. Wer sich an der sprachlichen Holperei nicht stört, kann einen tiefen Blick in die griechische Antike werfen.