Wir schreiben das Jahr 401 vor Christi Geburt. Drei Jahre sind seit dem Sieg der Spartaner gegen die Athener vergangen und nun rüstet der persische Kronprinz Kyros seine Truppen zu einem Kampf gegen seinen älteren Bruder Artaxerxes II. In Kleinasien sammelt er ein 11000 Mann starkes griechisches Söldnerheer, in dem Spartaner, Athener, Thraker, Kreter und all die anderen Stämme Seite an Seite marschieren.
Xenophon aus Athen, dem wir die Schilderung des Feldzuges verdanken, ist zu dieser Zeit etwa 30 Jahre alt. Er nimmt auf Einladung seines Freundes, des griechischen Feldherrn Proxenos, als Privatmann am "Zug der Zehntausend" teil. Das griechische Wort "ana" bedeutet "hinauf". Der Titel des Werks "Anabasis" symbolisiert den Zug des Heeres von der kleinasiatischen Küste hinauf ins Landesinnere Persiens.
Kyros ließ das Heer über seine wahren Ziele zunächst im Unklaren. Er verkündete, gegen den Stamm der Pisider ziehen zu wollen. Bald wurden die Gerüchte lauter, es gehe gegen den Großkönig und schließlich sah sich Kyros genötigt, die Wahrheit einzugestehen. Aufstände und Meutereien der Soldaten besänftigte er mit Soldzuschlägen.
Im September 401 v.C., sechs Monate nach dem Auszug aus Sardes, traf das insgesamt 100000 Mann starke griechisch persische Heer des Kyros nahe der Stadt Kunaxa, in der Gegend des heutigen Bagdad, auf den zahlenmäßig weit überlegenen Gegner. Nach Xenophons Schätzung war das Heer Artaxerxes II 900000 Mann stark. Die griechischen Truppen kämpften am rechten Flügel erfolgreich, jedoch letztendlich vergebens, denn Kyros fiel. Plötzlich befand sich die Truppe in einer schier ausweglosen Situation: ohne Führer, tief im feindlichen Land.
Die Perser forderten die Griechen auf, ihre Waffen herauszugeben, diese lehnten aber ab. Man einigte sich auf einen Waffenstillstand. Klearchos, einer der griechischen Feldherren wurde aufgrund seiner Erfahrung zum Oberbefehlshaber gewählt. Nach Beratungen traf das griechische Heer die Entscheidung, den Rückweg anzutreten. Man entschied sich mangels Proviant für eine andere, schwierigere Route gegenüber dem Hinweg durch feindliches, schwer zugängliches Land.
Tissaphernes, der persische Oberbefehlshaber in Kleinasien, bot mit seinen Streitkräften die Führung für den Rückzug an und beide Parteien geloben unter Eid Freundschaft. Nachdem ein Teil des Weges zurückgelegt war, lud Tissaphernes unter einem Vorwand die griechischen Feldherren in sein Zelt ein und ließ alle ermorden.
Die Griechen waren über diesen Eidbruch schockiert. Wieder stand das griechische Heer vor einer schweren Krise. Hoffnungslosigkeit machte sich breit. In dieser Situation war es Xenophon, der durch einen Traum ermutigt, die neu gewählten Feldherren anspornte und trotz seiner jungen Jahre den Oberbefehl erhielt.
Das Heer marschierte durch Mesopotamien und Armenien, durch Steppen und Wüsten, kämpfte gegen Feinde und Schnee. Schließlich erreichte man im Februar 400 v.C. die griechische Kolonie Trapezunt am Schwarzen Meer. Xenophon liebäugelte mit dem Gedanken, eine neue Kolonie zu gründen, musste jedoch erkennen, dass die Soldaten nur eines ersehnten: "Heil nach Griechenland zurückzukehren". Noch war man aber weit entfernt von der Heimat und da es schwierig war, genügend Schiffe für die Fahrt zu beschaffen, musste ein Teil der Strecke zu Fuß absolviert werden, ein Teil wurde per Boot zurückgelegt. Im Oktober 400 v.C. erreichte die Mannschaft Byzanz.
Als den Soldaten weder der versprochene Sold gezahlt noch Proviant verteilt wurde, drohten sie, die Stadt zu verwüsten. Xenophon besänftigte sie. Das Söldnerheer trat daraufhin in den Dienst des thrakischen Fürsten Seuthes und zog brennend und mordend durch Thrakien. Im März des Jahres 399 v.C. übergibt Xenophon das Heer dem spartanischen Feldherrn Thibron. Wieder geht es gegen die Perser, doch von den einstmals 11000 Soldaten sind nur noch 5000 übrig geblieben.
Im Nachwort wird sehr treffend beschrieben, dass das Werk aus zwei ungleichen Teilen besteht. Im ersten Teil dominiert der trockene Erzählstil während der zweite Teil lebendig und packend geschrieben ist. Viele der nachfolgenden Militärberichterstatter, so z.B. Caesar, profitierten von Xenophons Vorbild.
Bewundernswert fand ich die Kraft, mit der das griechische Heer in scheinbar aussichtsloser Situation immer wieder einen Weg fand und im Vertrauen auf die Götter, aber auch auf Ihre eigene Leistung das Ziel anstrebte und nie resignierte.
Nach dem Sieg der Spartaner über die Athener im peloponnesischen Krieg gab es natürlich latente Spannungen in dem bunt gemischten Söldnerheer, wie die folgende Textstelle zeigt: "Ihre Vorwürfe aber lauteten, es sei schimpflich, dass ein Athener, obschon er dem Heer keine Truppen zugeführt habe, über Peloponnesier und Lakedämonier kommandiere...". Auf dem Weg nach Byzanz spaltet sich die Armee in drei Teile und wäre fast aufgerieben worden. Xenophon weist darauf hin, dass die Soldaten immer dann erfolgreich waren, wenn sie gemeinsam kämpften. Wenn man gemeinsam den Päan, das Kampflied anstimmte, wurden die Barbaren besiegt oder vertrieben.
Die Erläuterungen des Buches sind kurz gehalten, beinhalten aber die wesentlichen Punkte. Auf einer Karte wird der Zug der Zehntausend nachgezeichnet. Eine graphische Darstellung der Schlacht bei Kunaxa ist ebenso beigefügt.