"Ich konnte den ganzen Schrott aus meinem Leben bei ihm mal rauslassen. Und auch mal Rotz und Wasser heulen. Er hat mir zugehört. Vater, der meine Hand loslässt. Und Mutter? Ob sie überhaupt noch weiß, wer ich bin? Dann Hackmann. Ihm hab ich auch alles von Hackmann gesagt. Jedenfalls alles, was die eine Ana sagen kann, die rumgeht, funktioniert, die paukt und es schafft. Die andere? Manchmal spür ich sie. Wenn ich die Augen schließ, ganz ruhig, Ana. Nur du. Ana? Ja, sie ist da. Aber sie bleibt stumm. Sie antwortet nicht. Die andere spricht nicht." Auf eine schnöde Liebesgeschichte mit so eintönigem Satzbau haben Sie keine Lust? Dann haben Sie mit "Ana & Paul ?" das richtige Buch gewählt, obwohl dieses Zitat aus dem Anfang genau diesem Buches stammt. Im Verlauf des Buches wird aus hektischen Aufzählungen und Hauptsätzen nach und nach ein immer komplexerer Satzbau und gleichzeitig eine immer komplexere Erzählung. Wer aufmerksam liest trifft z. B. auf Zitate aus Heinrich Heines "Traum und Leben", Michael Jacksons "Don't stop 'til you get enough" oder auf musikalische Stücke des Musicals "West Side Story". Aus dem auf dem Buchrücken angekündigten Liebesroman schafft Helene Kynast eine tiefgründige Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Was macht einen Mörder zum Mörder? Der Leser taucht immer weiter in die Erzählung ein und wird am Ende unerwartet und mitgenommen wieder in die Realität fallen gelassen. Die folgenden Tage wird man das Buch noch oft reflektieren. Helene Kynast, die für ihren ersten Jugendroman "Alles Bolero" 1997 den Oldenburger Kinder- und Jugenbuchpreis erhielt, lässt Ana und Paul abwechselnd in den Kapiteln aus jeweils ihrer Sicht berichten. Kapitel, in denen Ana berichtet, sind in Arial geschrieben, während Pauls Gedanken in Times New Roman niedergeschrieben sind und Zitate durch Kursivdruck hervorgehoben werden. Ana, von Paul "die graue Theorie" genannt, legt keine Wert auf sozialen Kontakt, sondern möchte nur ihr Abitur gut abschließen. Nebenbei jobbt sie in einer kleinen Kneipe, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Sie lebt alleine in einer kleinen Wohnung im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses. Paul interessiert sich, wie alle Männer im Örtchen V., nur für Tina. In der Schule ist er schlecht und verpasst beinahe die Zulassung zum Abitur. Doch so soll es nicht bleiben. Paul und Ana kommen sich näher. Es werfen sich Fragen auf, Ana wird vor neue Probleme gestellt und schließlich kommt doch alles anders als gedacht. Man erfährt stückweise etwas über Anas Vergangenheit bis alles eskaliert. Das Buch hat mich als absoluten Nicht-Leser gebannt, fasziniert und auf keinen Fall gelangweilt.