Peter Stamms neues Buch "An einem Tag wie diesem" ist eine sehr gelungene Erzählung über einen Menschen, den Überdruss und Einsamkeit, das Leiden an einem Leben ohne Verantwortung und ohne Ziel dazu treiben, von einem Tag auf den anderen ganz neue Wege zu gehen. Dabei formuliert der Schweizer Stamm brillant und klar und lässt den Protagonisten Andreas in seiner Konturlosigkeit scharf erscheinen.
Andreas ist in der Schweiz aufgewachsen und lebt als Deutschlehrer in Paris. Sein Leben ist klar strukturiert, er hangelt sich an dem immer gleich bleibenden äußeren Rahmen entlang. Er trifft sich mit verschiedenen Frauen, weit entfernt davon, ernsthafte Beziehungen mit ihnen zu unterhalten. Von Zeit zu Zeit denkt er an die große Liebe seiner Jugend, die ihn zugunsten seines besten Freundes verließ.
Andreas erkrankt und ist überzeugt davon, dass ihm nicht mehr allzu viel Zeit bleibt. Eine deutsche Schülerlektüre fällt ihm in die Hand und erinnert ihn an Fabienne, die er unbedingt noch einmal sehen möchte.
So entschließt er sich, die Brücken in Paris abzubrechen und erneut in das kleine Schweizer Dorf zurück zu kehren.
Eine junge Kollegin, die in ihn verliebt ist und die sich um ihn kümmert, als sie erfährt, dass er erkrankt ist, begleitet ihn. Doch er empfindet Delphine als Störung.
Er muss zunächst alleine etwas für sich klären, bis sich für ihn neue Wege ergeben...
Peter Stamms Geschichte zieht den Leser von der ersten Seite an in ihren Bann. Stamm erzählt klar und präzise von einer bleiernen Einsamkeit. Aber er zeigt auch auf, dass auch ein unbeteiligt gelebtes Leben irgendwann eine Wende bekommt, in der Stellung bezogen werden muss!
Ich bin sicher, dass Stamms Buch in diesem Sommer Furore machen wird und ich würde es diesem klugen Buch auch wirklich wünschen!