Eine 'unerhörte Begebenheit' soll der Inhalt von Kurzgeschichten sein und hier wird diese Vorgabe aufs Schönste oder muss man sagen 'aufs Grausamste' eingehalten.
Anita Friedrich erzählt leise, unaufdringlich und knapp einige Alltagsgeschichten, die am Abend vor dem Sabbat beginnen und fast unbemerkt auf ein tragisches Ende hinsteuern. Der Leser beginnt zu ahnen, dass manche der geschilderten Idyllen nicht bleiben können und möchte den Verlauf der Erzählung am liebsten anhalten.
Aber alle Geschichten steuern auf einen dramatischen Höhepunkt zu. Hinterher ist nichts mehr wie es war.
Es handelt sich überwiegend um Erzählungen, die den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zum Inhalt haben. Das ist ein großes und trauriges Thema. Die Protagonisten der einzelnen Erzählungen sind jedoch einfache Menschen, sie leben einen normalen Alltag - der jedoch plötzlich durch schicksalhafte Ereignisse
zu einem Inferno wird oder einfach die Menschen aus ihrem normalen Leben reißt. Das grausame Ereignis wird von der Autorin oft nur angedeutet. Sie überlässt die Details der Vorstellungskraft ihrer Leser, was die Wirkung eher verstärkt als schmälert.
Ein ruhiger Sabbat-Vorabend ist den Protagonisten der Erzählungen nicht vergönnt. Warum gibt es keinen Frieden zwischen den Menschen, warum schlägt das Schicksal zu, wenn friedliche Menschen miteinander feiern oder sich nach der Arbeit erholen wollen?
Viele Fragen tun sich auf nach dem Lesen dieses nachdenklichen, realistischen Buches, das in einer sehr eindringlichen, knappen, einfühlsahmen Sprache geschrieben ist.
Anita Friedrich weiß wovon sie schreibt, sie kennt die Orte und die Verhältnisse - und sie kennt die Sehnsüchte, die Sorgen und Ängste der Menschen, die meist nicht Handelnde, sondern Erleidende, Ausgelieferte, Opfer sind.