"An anderen Orten" beinhaltet fünf Kurzdramen Pinters, ein Interview mit dem Autor ("Ein Stück und seine politische Bedeutung") sowie eine Kurzgeschichte ("Mac").
Bislang kannte ich Harold Pinter nur dem Namen nach, dieses Buch habe ich mir gekauft, weil ich dadurch einen Eindruck von seiner Arbeit erhalten wollte. Dazu ist diese kleine Sammlung tatsächlich geeignet, soviel kann schon einmal verraten.
Pinters Thema, neben seinem politischen Engagement, ist die Absurdität menschlicher Kommunikation. In dem ersten Stück ("Familienstimmen") versuchen Mutter, Vater und erwachsener Sohn vergeblich in Briefform ihre Gefühle füreinander zu formulieren. "Victoria Station" handelt von einem Taxifahrer, der mit der Taxizentrale in Funkkontakt steht, - an Absurdität und Tragigkomik nicht zu überbieten.
In "Eine Art Alaska" erwacht eine Frau nach 29 Jahren aus einem Tiefschlaf, in den sie als Mädchen auf Grund einer Krankheit verfiel. Auch hier werden die Versuche, sich anderen mitzuteilen, und ihr Scheitern alleine schon durch die ungwöhnliche Ausgangssituation auf die Spitze getrieben.
Zynisch ist der Dialog zweier Männer in "Genau", wenn über die Zahl der möglichen Toten durch Massenvernichtungswaffen. gefeilscht wird.
Ebenso engagiert zeigt sich Pinter wenn es um die Folgen von Folter geht ("Noch einen Letzten"/"Ein Stück und seine politischen Aspekte").
Auch wenn der Grundtenor in diesen Auszügen aus dem Werk Pinters eher pessimistischer Natur ist, konnten sie mein Intersse für seine Stücke wecken, denn, wenn man den zeitlichen Kontext wegstreicht, bleiben für mich grundlegende Problematiken übrig, über die es sich nachzudenken lohnt. Wer sich für Theater interessiert und Absurditäten nicht scheut, sollte sich ruhig mal mit Harold Pinter beschäftigen.