Ich muss sagen, dass meine Erwartungen an den Nachfolger von ,,The Backroom" sehr hoch waren, sind die Editors doch seit Erscheinen ihres Debutalbums eine meiner absoluten Lieblingsbands. Gleichzeitig hegte ich jedoch keine Minute Zweifel daran, dass die vier Jungs es schaffen würden, mich erneut in ihren Bann zu ziehen, da z.B. ,,Bones" ja schon lange vor Erscheinen der zweiten Platte live erprobt wurde und ich, als begeisterte Konzertgängerin, die meisten Stücke schon kannte, als ich die CD dann wirklich in den Händen hielt.
,,An end has a start" ist anders als der Vorgänger ,,The Backroom". Immer noch behält die Band ihren ganz bestimmten Stil, setzt auf den Wechsel zwischen ruhigen, nachdenklichen Passagen und hymnischen, mitreißenden Parts, die Stück scheinen jedoch ausgereifter, durchdachter, perfektionierter und dadurch vielleicht wirklich eher für die breite Masse greifbar, als das etwas zügellosere und impulsivere Debut. Es scheint, als wollten die Editors eine klare Veränderung erkennbar machen, erwachsener werden. Innerhalb des Albums wird noch ein wenig mehr experimentiert, die Texte sind teilweise umfangreicher, eindeutiger und noch ernsthafter als auf dem ersten Album, man ist, so scheint es, ein wenig mehr auf Wirkung bedacht. Das tut der Qualität des Albums jedoch keinen Abbruch. Alles ist in sich stimmig. Jeder (wirklich jeder!) Song hat einen kleinen Höhepunkt, eine wunderschöne Melodie, einen kurzen Instrumentalteil oder es ist die spezielle Art, wie Tom Smith von bestimmten Dingen singt, die einem Gänsehaut verursacht.
Eigentlich wollte ich jetzt hier eine kurze Liste mit den größten Schätzen der CD erstellen, stelle aber soeben fest, dass man kaum schriftlich festhalten kann, was die Musik dieser Band ausmacht. Das weiß man nur, wenn man jeden der Songs (vom neuen und alten Album) in Ruhe auf sich einwirken lässt, sich Zeit dafür nimmt, die Texte liest und die Editors mal live erlebt hat (hier würde ich gerne noch erwähnen, dass ich es sehr schade fände, wenn die Band durch dieses Album noch mehr kommerziellen Erfolg erlangen würde. Nicht weil ich es ihnen nicht gönnen würde, sondern weil mir die intime Atmosphäre der Konzerte sehr fehlen würde).
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich das neue Album großartig finde. Schwachsinnige Vergleiche mit Interpol, Joy Division ect. dürften sich erledigt haben. Natürlich müssen sich die Songs noch entwickeln, ich werde noch eine Weile mit ihnen leben müssen bis ich Gefühle und Erinnerungen mit ihnen verbinden kann und sie so unverkennbar zu mir gehören werden, wie die Songs des ersten Albums, aber jedes Lieblingsalbum braucht seine Zeit. Gut gemacht, Jungs!