Für manche mag die Musik von Element of Crime, die weder Fisch noch Fleisch ist (also weder richtig Pop noch Rock noch Jazz oder Blues, sondern irgendwas dazwischen - "Independent" also) gewöhnungsbedürftig sein. Aber mit hyperhumorigen, frustrierten, trockenen Selbst- und Weltbetrachtungen gelingt es Texter und Sänger Sven Regener, ein wiederkehrendes Zwerchfellbeben zu erzeugen, was diese 94er CD zu meinem zweitliebsten EOC-Album macht. Ein paar Textbeispiele können nicht schaden:
- "Ein alter Hundertmarkschein hat sich aus dem Staub gemacht. Wir warten, dass er wiederkommt, und wieder ist ein Stündchen rumgebracht."(MEIN DEIN TAG)
- "Schwer verwirrt am Morgen und abends auch nicht klug; doch alles kommt ins Reine mit etwas Selbstbetrug."(EIN MANN)
- "Wenn nichts passiert, dann bin ich meistens glücklich, und dennoch muss ich immer etwas tun. Das ist zwar nichts als Blödsinn, doch es hält die Welt in Atem."(ICH KANN WARTEN)
- "Ein blödes Wort von der Seite; ein Gesicht, das davontreibt im Gewühl..."(AN EINEM SONNTAG IM APRIL)
- "Jemand hebt in deinem Garten eine Grube aus. Da wird ein Hund begraben. Wer hat dich verraten ?"(VERRATEN)
- "Wenn unsere Blicke sich zufällig trafen, dann hast du gelächelt und ich war peinlich berührt, denn täglich hab ich dich dort ausspioniert."(IM VORIGEN JAHR)
- "...und beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert. Und selbst dich hab ich schon manchmal verstanden. Ganz doof bin ich nicht."(GANZ LEICHT)
- "Auf meinem Nachttisch steht ein Schokoladenhase, traurig und allein. Ich weiß ihm nicht zu helfen und stopf ihn in mich rein, weil du nicht da bist."(WEIL DU NICHT DA BIST)
- "Ich hab gewusst, dass es nicht geht, und es dennoch nicht geglaubt."(BIS DU ZU MIR KOMMST)
- "Wenn hinter uns nicht der Deich wär, käm jede Hilfe zu spät. Ein Glas auf den Deich und eins auf die See."(AN LAND)
Wer eine Ader für feinen Humor und eine aberwitzige Sprache hat, ist bei Element of Crime so gut aufgehoben wie die Krawatte am Frack beim Opernbesuch.