Dass diese leicht nostalgisch angehauchte Geschichte über das Drama des Erwachsenwerdens so gut funktioniert, ist zu einem sehr großen Teil der unglaublichen Leistung der talentierten Jungschauspielerin Carey Mulligan ("
Bleak House") zu verdanken. Mit absoluter Glaubwürdigkeit und sehr viel Charisma spielt sie die Hauptfigur Jenny, ein behütet aufgewachsenes Mädchen, deren beschauliches und eher langweiliges Dasein als strebsame Schülerin durch die Begegnung mit dem wesentlich älteren David auf einmal eine sehr aufregende und prickelnde Note bekommt. Voller Neugierde und Freude schlägt Jenny ein ganz neues Kapitel ihres Lebens auf. Aber eröffnet die Liebe zu David ihr wirklich die Chance auf ein buntes, erfülltes Leben, wie sie es sich erhofft?
Buchstäblich im Regen steht die Schülerin Jenny an diesem tristen Nachmittag, als sie tropfnass mit ihrem Cello auf dem Gehsteig ein ungewöhnliches Auto beobachtet, welches in ihre Richtung fährt. Der charmante und humorvolle Fahrer bietet ihr an, ihr Instrument vor den schädlichen Regentropfen zu schützen und schließlich sitzt auch Jenny beim ihm im Auto und lässt sich nach Hause fahren. Kurze Zeit später staunen ihre Eltern nicht schlecht, als ein großzügiges Blumengeschenk vor der Tür steht. Ein geheimer Verehrer wünscht der Schülerin alles Gute für ihren Orchesterauftritt. Jenny dagegen freut sich sehr, als sie einige Tage nach dem Konzert dem edlen Spender persönlich danken kann, als sie ihm persönlich begegnet. Sie ist geschmeichelt von der Aufmerksamkeit des Mittdreißigers, der sie sogar mit ihr verabreden möchte. Zu ihrem großen Erstaunen, sind ihre sonst so konservativen Eltern, sofort von David (Peter Sarsgaard) eingenommen. Der junge Mann zeigt sich sehr geschickt darin, mit nicht ganz ehrlichen Methoden, das Vertrauen der beiden zu erlangen. In der Folge erlebt Jenny mit David aufregende Abende mit Konzert- und Restaurantbesuchen. Begleitet werden die beiden von Davids Freund Danny (Dominic Cooper) und dessen Freundin Helen (herrlich oberflächlich und mit Sinn für Mode: Rosamund Pike), die bemüht sind, das Schulmädchen gehörig aufzumöbeln und sie mit ihrer Welt vertraut zu machen. Obwohl die intelligente und aufgeweckte Jenny bald merkt, dass ihre neue Bekannten kein Problem damit haben, ihr luxuriöses Partyleben mit krummen Geschäften zu finanzieren, kann sie sich der Faszination dieses Abenteuers nicht entziehen. In ihrer Schule ist ihre aufregende Beziehung bald das Thema an der Schule, vor allem als sie erzählt, dass sie übers Wochenende mit David nach Paris fliegen wird.
Anders als Jennys Eltern ist man von Seiten der Lehrerschaft wenig erfreut über Jennys neue Entwicklung. Miss Stubbs (Olivia Williams "
Miss Austen Regrets"), die ihre begabte Schülerin bisher immer sehr gefördert hat, sieht deren Zukunft als aussichtsreiche Studentin in Oxford nun stark gefährdet. Ist es dieser Mann wirklich wert, dass Jenny sich diese einmalige Karrierechance entgehen lässt? Die furchterregende Rektorin (die Frisur! Emma Thompson) geht sogar einen Schritt weiter und droht ihrer Schülerin unmissverständlich mit einem Rausschmiss, wenn sie ihren Ruf durch diese Affäre aufs Spiel setzt. Aber was sind das für langweilige Aussichten für Jenny, sollte sie dieses bisher so eifrig begehrte Literaturstudium an einer Eliteschule verwirklicht, wenn diese es mit den glamourösen Möglichkeiten ihres neuen Lebens vergleicht?
Es ist sicher kein Zufall, dass in der ersten Schulstunde eifrig über Mr. Rochester aus Jane Eyre gesprochen wird. Und ein wenig irritiert ist man schon, wenn man zusehen muss, mit welcher Naivität die Eltern auf die neue Bekanntschaft ihrer Tochter reagieren und es als normal betrachten, dass sich wesentlich älterer und erfahrener Mann, in dieses brave Schulmädchen verliebt. Spätestens als David Jenny in intimen Momenten Minnie Maus nennen möchte, schrillen beim Zuschauer die Alarmglocken. Aber natürlich ist es auch kein Zufall, dass die Handlung in die Anfänge der 1960er-Jahre verlegt wurde, wo es noch eine gewisse Unschuld gegeben haben muss. In der Gegenwart hätte Jennys Geschichte wahrscheinlich wesentlich tragischer ausgehen können.
Außer Carey Mulligan ist besonders noch Alfred Molinas Darstellung als Jennys Vater erwähnenswert. Obwohl der soziale Hintergrund der Familie nicht im Detail ausgeleuchtet wird, kann man davon ausgehen, dass Jack ein Mann ist, der sich hochgearbeitet hat und nun seinen Ehrgeiz auf die Zukunftsaussichten seiner Tochter überträgt. Sie soll es einmal besser haben, wie ihr Vater. Bei all diesen sachlichen Überlegungen geht Jack natürlich auch manchmal sein Temperament durch. Aber Alfred Molina ("
Chocolat") schafft es dennoch, die größtmögliche Empathie für seine Figur zu erzeugen.
Das Drehbuch trägt ganz klar die Handschrift des englischen Schriftstellers Nick Hornbys ("
About a boy. (Dt. Ausgabe)"), dessen Romane in der Regel ebenfalls in London spielen. Die Geschichte ist realistisch und nachvollziehbar, mit einer gesunden Prise Humor und Lebensweisheit gewürzt und mit überzeugenden Figuren gestaltet. Die Dialoge sind geistreich und die Szenen setzen gezielte Pointen. Die Erzählung ist in sich schlüssig und harmonisch abgerundet. Der besondere Stil der 1960er-Jahre prägt die Optik des Films und bietet eine ganz besondere Einrichtungs- und Modenschau.
Als Extra kann man sich u.a. einige entfallene Szenen ansehen. Außerdem gibt es natürlich auch den Kinotrailer und Trailer zu weiteren Filmen.