Retro ist in aller Munde - spätestens seit der neuen Form von Brit Rock mit Bands wie The Strokes, White Stripes und ähnlichen. Dass eine Band sich aber weniger an den 70ern orientiert, sondern mehr am Indie der 80er mit Querverweisen zu Depeche Mode oder The Cure, das ist nicht ganz üblich. Wenn nun die Band, die Rede ist von Action Action, auch noch auf einem der größten Emo- und Hardcore-Labels vertreten ist, dann ist das gänzlich unüblich und zeigt, welchen Einfluss und welche Massenwirkung auch auf Freunde härterer Musik diese Stilrichtung hat. Nachdem Action Action mit ihrem Vorgänger "Don't Cut Your Fabric To This Year's Fashion" schon 50.000 Einheiten vorkaufen konnten, hat diese Band durchaus ihre Berechtigung. Die Band hatte einige Hürden bis zur Veröffentlichung von "An Army Of Shapes Between Wars" zu überwinden. So wurde das Notebook des Masterminds Kluepfel geklaut und ein großer Teil der Songs musste neu komponiert werden. Das Ergebnis tritt klar in die Fußstapfen des Vorgängers und kann sich gerade im aktuellen Hype um Bands wie Bloc Party, The Faint, The Strokes oder ähnlichen durchaus hören lassen.
Man nehme die Keyboard-Sounds aus den 80ern, mische ein paar Schrammelgitarren aus den 70ern dazu und gebe dem ganzen etwas punkigen Rotz und schon hat man ein Soundgewand, das nun nicht mehr neu ist, aber gerade absolut auf der Höhe der Zeit mitzuschwingen versucht und das auch ohne abzustürzen schafft. Gerade immer dann, wenn die Band einen Gang zuschaltet und flott nach vorne geht und eben die Gitarren einen nicht unwichtigen Bestandteil der Songs ausmachen, macht das Album viel Spaß. Aber auch die ruhigeren Nummern sind gut zu hören. Action Action ist hier ein Indie-Retro-Album gelungen, das die guten und wichtigen Bestandteile der 70er, der 80er und auch des BritPops der 90er (man höre nur "The Game", dessen refrain auch von Oasis zu ihrer Hochzeit hätte stammen können) zu einem neuen und frischen Mix zusammenklebt und gute Laune verbreitet. Sehr zu empfehlen ist auch "Paper Cliché", das sich mehrfach gut steigert und dann in rockigen Gitarren explodiert oder auch "Analogue Logic", das einen guten Disco-Stampfer abgibt und dabei immer abwechslungsreich bleibt.
Um wirklich innovativ zu sein, kommt "An Army Of Shapes Between Wars" etwas zu spät, aber Action Action behalten ihr eigenes Gesicht und sind gerade auf einem Label wie Victory Records so ungewöhnlich, dass es richtig Spaß macht. Ein kleines bisschen mehr Pfeffer hätte den Songs gut getan.