Ian McEwan gehört zu einem der renommiertesten Autoren Englands. Seine Romane überzeugen und begeistern die Leser mit sprachlicher Brillanz und inhaltlicher Dichte. Mit zu den bekanntsten Büchern McEwans gehören
Atonement sowie seine beiden neuesten Veröffentlichungen
Saturday und
On Chesil Beach. Mit großen Erwartungen habe ich mir daher den Roman "Amsterdam" zugelegt, für den der Autor im Jahr 1998 den angesehenen Booker Prize zugesprochen bekam. Doch meiner Ansicht nach gehört "Amsterdam" zu McEwans schwächsten Romanen, so dass sich die Frage stellt, warum er ausgerechnet hierfür ausgezeichnet worden ist.
Clive Linley und Vernon Halliday haben es beide zu etwas gebracht. Clive ist einer der bekanntesten Komponisten Großbritanniens und Vernon ist Chefredakteur einer großen Zeitung. Auf der Beerdigung von Molly Lane, einst die gemeinsame Geliebte der beiden Freunde, treffen sie auf Julian Garmony, einem rechtskonservativen Politiker, dem Chancen auf den Posten des Premierministers eingeräumt werden. Kurz darauf werden Vernon drei Fotos zugespielt, die Garmonys politische Karriere zerstören könnten. Dies und ein weiteres Ereignis stellen die Freundschaft zwischen Clive und Vernon auf eine harte Probe, bevor es zum großen Finale in Amsterdam kommt.
McEwans Stärke ist es eigentlich, die Erzählstruktur seiner Romane klar und überzeugend zu gestalten und dabei eine genaue Charakterisierung seiner Hauptpersonen vorzunehmen. Dies alles gelingt hier nicht. Die Geschichte wirk konstruiert und teilweise an den Haaren herbeigezogen. Auch das Ende überzeugt nicht und hinterlässt beim Leser die eine oder andere offene Frage.
Fazit: Sprachlich befindet sich "Amsterdam" auf dem gewohnt hohen Niveau Ian McEwans. Bezüglich des Inhalts sowie der Struktur enttäuscht der Roman jedoch auf ganzer Linie. Warum ausgerechnet dieses Buch mit dem Booker Prize ausgezeichnet worden ist, bleibt mir ein Rätsel. Daher sei dem McEwan-Einsteiger einer der drei oben genannten Romane empfohlen.