| |||||||||||||||
![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Amsterdam gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 0,25 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
|
Nachdem sich die beiden Freunde Vernon und Clive bei der Beerdigung von Molly, einer gemeinsamen Freundin aus Jugendtagen, vor dem Krematorium wiedersehen, beschließen sie, daß sie beide auf keinen Fall einen so schrecklichen Tod wie Molly sterben wollen. Vor allem wollen sie keinem so entsetzlichen, hilflosen Leiden ausgesetzt sein. Sie versichern sich, daß sie sich gegenseitig helfen, wenn einer von ihnen selbst keine Entscheidung mehr über sein Leben treffen kann. Keiner von ihnen soll unnötig leiden, jeder muß dem anderen beim Sterben behilflich sein.
Eine gefährliche Macht, die damit jeder in die Hand des Freundes gibt, denn wer weiß, ob der Freund nicht zu völlig konträren Ansichten über das eigene Leben kommt, als man selbst? Und in der Tat, als Clive seine Jahrtausendsinfonie in Amsterdam präsentiert, Vernon gerade von seinem Stuhl als Chefredakteur durch eine politische Affäre gechasst wird, stehen am Ende der Reise zwei Doppelsärge und warten auf den Rücktransport nach England.
Amsterdam ist ein streng komponierter, vielschichtiger Roman in fünf Teilen, der dem Leser das beinharte Geschäft in den Medien glänzend präsentiert. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
Dieses Motiv aus "Ein Kind zur Zeit" findet sich in abgewandelter Form in McEwans neuesten Roman Amsterdam wieder, für den McEwan Ende 1998 der Booker-Preis verliehen wurde. Hier ist es ein erzkonservativer Außenminister, der durch kompromittierende Fotos, die ihn in Frauenkleidung zeigen, zu Fall gebracht wird. Unfähig, sich selbst zu verteidigen, zieht er sich wie ein frustrierter Teenager in sein Bett zurück, während seine Frau, eine erfolgreiche Ärztin, die Verteidigung ihres Mannes gegenüber einer sensationslüsternen Presse in die Hand nimmt. Beide Szenen verweisen auf ein Grundmotiv im Werk des britischen Schriftstellers: Formen der Regression, sexuelle Normverstöße, spontane Ge-waltausbrüche und moralische Heuchelei kennzeichnen in seinen Büchern die Unfähigkeit der (männlichen) Protagonisten, den Ansprüchen einer chaotischen Gesellschaft gerecht zu werden.
Gesellschaftskritik hat schon immer eine wichtige Rolle bei McEwan gespielt, entzog sich aber oft der Aufmerksam-keit seiner Kritiker. Lange Zeit galt dieser 1948 als Sohn eines Armeeangehörigen in Aldershot Geborene, der seine Kindheit auf Militärstützpunkten in Singapur und Libyen verbracht hat, als Meister der "Gothic Novel", der englischen Variante des Schauerromans. Ins-besondere seit seinem Romandebüt "Der Zementgarten" - der Geschichte einer inzestuösen Geschwisterbeziehung - aus dem Jahr 1978, das ihm das Lob Stephen Kings und den Spottnamen "Ian McCaber", Ian der Makabre, einbrachte, klebt dieser zweifelhafte Ruf an ihm. Noch heute, klagte er unlängst in einem Interview, wolle man ihn in England ständig neben einem Müllberg oder einer toten Ratte fotografieren, obwohl er doch inzwischen "ganz andere" Bücher schreibe. Daran ist McEwan aber keineswegs unschuldig. Lange Zeit schien er unwillig, das Graue und Wiederholbare des Alltags zu sehen. Immer lief alles auf spektakuläre, schockierende Effekte zu. Erst später öffnete sich sein Schreiben neuen Themen, unter anderem einer kritischen Erforschung patriarchalischer Machtstrukturen in der heutigen Gesellschaft. Im Rückblick, in einem Interview, stellte sich ihm dieser Prozeß als eine Reifung dar: "I stepped out into the world". In seinen letzten Büchern wie "Ein Kind zur Zeit" (der einfühlsam beschriebenen Geschichte einer Kindesentführung), "Unschuldige" (1989), "Schwarze Hunde" (1992) und dem gefeierten Roman "Liebeswahn" (1997) über einen von religiösen und erotischen Phantasien be-sessenen Mann, läßt sich sogar ein verhalten optimistischer, manchmal fast sentimentaler Ton vernehmen, der allerdings, sehr leise, schon immer im Chaos und der Gewalt seiner Geschichten mitschwang.
Sein neuester Roman könnte Anlaß sein, das einstige Vorurteil endgültig zu revidieren. Denn in "Amsterdam" stehen McEwans Leitmotive - Beziehungen, Sexualität, Feminismus, Zivilisationskritik, der Gegensatz zwischen Stadt und Land, Kunst und Macht - im Dienst eines ätzenden Porträts von Tony Blairs "Cool Britannia". Das Ende der Major-Thatcher-Jahre erlaubt ihm erst eine umfassende gesellschaftliche Deutung all der Obsessionen und Probleme, die er zuvor zum Thema seiner Bücher gemacht hat. Dabei zeichnet er ein sehr wirklichkeitsnahes Bild der sozialen Milieus, denen seine vier Protagonisten - ein Politiker, ein Komponist, ein Journalist und ein Zeitungsverleger - enstammen. Dem Buch ist auf jeder Seite anzumerken, wieviel Spaß es McEwan gemacht haben muß, "in der Welt der Arbeit", wie er es selbst einmal ausdrückte, zu schreiben. Auch die Frage, die im Mittelpunkt des Romans steht, hat einen realen Hintergrund: Sie lautet, ob das Privatleben eines Politikers, besonders seine sexuellen Vorlieben, Gegenstand öffentlichen Interesses sein darf. Daß es sich dabei um ein Problem mit weitreichenden Folgen handeln kann, hat vor wenigen Jahren die Clinton-Lewinsky-Affäre gezeigt. Schonungslos legt Mc-Ewan die gesellschaftliche Heuchelei offen, die solchen "Skandalen" innewohnt. "Schockierend" wie McEwans frühe Erzählungen ist am ehesten die Brutalität, mit der die Protagonisten des Buches - alles ehemalige Liebhaber der frühverstorbenen Molly Lane - ihre Ziele durchzusetzen versuchen: Der Komponist, Clive, greift nicht ein, als eine Frau vergewal-tigt wird, weil er gerade eine Inspiration für eine neue Komposition hat, der Chefredakteur, Vernon, startet eine Schmutzkampagne, um die Auflagenhöhe seiner Zeitung zu steigern, und in Gang gebracht wird alles von dem eifersüchtigen Zeitungsverleger, der durch die Veröffentlichung kompromittierender Fotos den Außenminister und ehemaligen Liebhaber seiner verstorbenen Frau Molly zu Fall bringen will. Vor diesem Hintergrund steht der vermeintliche Freundschaftspakt, den Clive und Vernon nach Mollys Tod schließen: Sollte einer von ihnen jemals so leiden wie Molly, solle ihm der jeweils andere Freund den Gnadenstoß versetzen. Doch als die Freundschaft zerbricht, offenbart die Abmachung ihren teuflischen Kern: In Amsterdam, wo die Euthanasiegesetze liberaler als in anderen Ländern gehandhabt werden, kommt es zu einem makabren Showdown. McEwan hat seine bisherigen Bücher vor einiger Zeit in einem Interview als "Romane der Krise und Verwand-lung, der Durchgangsriten von großer Intensität für die Charaktere" bezeichnet; von "Liebeswahn" gehe sogar die Bedrückung eines Alptraums aus. Demgegenüber schlägt Amsterdam - bei allem schwarzen Humor - einen leichteren und insbesondere ironischeren Ton an. Leicht, aber nicht seicht, wie Kritiker behauptet haben. Amsterdam ist keine "Fünf-Finger-Übung" wie Mc-Ewans Schriftstellerkollege Will Self bei der Verleihung des Booker-Preises an McEwan gespottet hat. Während für McEwans frühere Bücher Autoren wie Franz Kafka, Thomas Mann, Nabokov oder E. M. Forster Pate gestanden haben mögen, erinnert Amsterdam vielmehr an die frühen Werke des englischen Satirikers Evelyn Waugh und an die Gesellschaftskommödien des Amerikaners John Updike. Brillant sind seine sarkastischen Beschreibungen der Londoner High Society, fesselnd seine Darstellung des Lake District, beeindruckend auch sein Porträt des künstlerischen Schaffens von Clive, dem Komponisten. Welchen Weg McEwan in den vergangenen Jahrzehnten zurückgelegt hat, zeigt der Gewinn des Booker-Preises. McEwans Werk ist zu einem festen Be-standteil der englischen Gegenwartsliteratur geworden. Möglich wurde dies nicht zuletzt deshalb, weil er sich neuen Themen und Stilen geöffnet hat. Sein Schreiben läßt sich heute mit Recht als "sardonische, aber weise Untersuchung der Moral und der Kultur unserer Zeit" verstehen, wie die Booker-Preis-Jury ihre Entscheidung begründete. Mit dem Verschwinden drastischer Schockeffekte und der Aufmerksamkeit für Zwi-schentöne hat sich sein Blick für die Probleme der zeitgenössischen Gesell-schaft geschärft.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|