Wenn Geert Mak seine historischen Bücher schreibt, dann nimmt er Geschichte sehr wörtlich - es geht ihm ums Erzählen, darum, die Vergangenheit für den Leser plastisch und erfahrbar zu machen. Also: keine Jahreszahlen, Fürstennamen und Verträge sondern die Geschichten erzählen, aus denen sich dann ein Bild ergibt. So auch in dieser Biographie von Amsterdam, die damit beginnt, archäologische Funde zu beschreiben, die aus dem Schlamm, auf dem die Stadt ruht, gezogen werden. Wir erfahren, dass die scheinbaren Graffittis an einem Haus tatsächlich hunderte von Jahren alt sind und mit Blut geschrieben sind. Wir lesen über die Provos und ihre "weißen" Initiativen, über den Widerstand des jüdischen Boxclubs Maccabi gegen Nazischläger. Insgesamt hat Amsterdam eine unaufgeregte Entwicklung genommen, eine Kaufmannsstadt, die gelassen ihren Kurs durch die Hektik der Weltgeschichte gesteuert ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass dieses Buch mich nicht so fasziniert hat wie z.B. "Mein Europa" - aber lesenswert ist es allemal - nicht zuletzt, weil Mak auch für Niederländer durchaus heiße Eisen wie das der Kollaboration im 2. Weltkrieg mutig anpackt.