Der Amphitruo des Titus Maccius Plautus ist die einzige auf einem antiken Mythos beruhende römische Komödie, welche die Zeiten überdauert hat. Bereits die griechischen Dichter inszenierten die Tragödie des hellenischen Heerführers. Mittlere und neue attische Komödie haben die tragischen Momente beibehalten und komische Szenen hinzugefügt. Da die Originale verloren gingen, können wir den Beitrag des Plautus nur erahnen. Er selbst nennt das Stück eine Tragikomödie und gibt damit den ambivalenten Charakter wieder. Das Werk diente zahlreichen modernen Doppelgängerkomödien als Blaupause.
Ausgangspunkt der Verwicklungen ist das Begehren des Zeus (Juppiter) nach Alkmene (Alcumena), der Frau des Königs von Troizen, Amphitryon (Amphitruo). Als Amphitryon in den Krieg gegen die Teloboer zieht, verführt Zeus in Gestalt des Amphitryon dessen Frau. Aus der Welt der Göttersagen sind uns die Verwandlungskünste des Zeus bekannt. Ob in Tiergestalt, wie bei der Eroberung der Europa als Stier bzw. als Schwan bei der Verführung der Leda oder in Form goldenen Regens bei der Annäherung an Danae. Obwohl Alcumena das abwechselnd aggressive und beleidigende dann wieder duldsame und entschuldigende Verhalten ihres Mannes sonderbar erscheint, bleibt sie bis zuletzt ahnungslos.
Nicht nur Amphitruo besitzt in Juppiter einen Doppelgänger, auch sein Sklave Sosia wird von Juppiters Sohn, dem Götterboten Merkur kopiert. Eine doppelte Doppelgängerkomödie, die reichlich Stoff für Verwicklungen und Verwirrungen bietet.
Werfen wir nun einen Blick auf die Charaktere des Stücks.
Als erstes Paar treten Sosia und Merkur auf. Sosia bringt Komik in das Stück. Freimütig bekennt er sich zu seiner Ängstlichkeit und Feigheit: "Denn als die Schacht am höchsten ging, bin ich mit höchster Kraft geflohn." Er muss von Merkur Prügel einstecken, der ihm die falsche Wahrheit einbläut. Anders als Amphitruo sieht und spricht Sosia mit seinem Doppelgänger. Und wenn er der Wahrheit auch nahe kommt, ist er doch zu verwirrt, um den Sachverhalt richtig zu deuten: "Vielleicht ist hier noch ein Amphitruo, der, wenn du verreist bist, deine Sachen treibt...". Plautus legt Sosia auch sozialkritische Worte in den Mund: "Bei Reichen zu dienen ist hartes Geschick ... So hat man als Sklave viel Unrecht zu leiden".
Merkur ist der aktivere Part der beiden. Als Gehilfe seines Vaters Juppiter hält er ungebetenen Besuch vom Hause des Amphitruo fern. Dabei zeigt er Cleverness und Erfindungsreichtum. Wenn Worte nicht weiter helfen, lässt er seine Fäuste sprechen.
Das zweite Paar bilden Amphitruo und Juppiter. Amphitruo ist der tragische Held. Weder durch sein Verschulden noch durch das seiner Frau erleidet er Unrecht. Sein Verhalten ist kritisch und argwöhnisch. Er misstraut jedem: "...was nicht ist, was nicht war, nicht sein wird ... was nicht sein kann". Durch das Gerede Sosias verwirrt und in seiner Ehre verletzt, beleidigt er seine Frau: "Als ich fort war, kam ein Schandfleck auf die Ehre dieser Frau". Nachdem Juppiter ihm seine Schandtat offenbarte, gerät er erstaunlicherweise nicht in Zorn, sondern zeigt sich gottergeben: "Wie du wünschst, so will ich tun".
Dieser rationalen Haltung Amphitruos steht der emotionale, leidenschaftliche Ausdruck des Gottes gegenüber. Er weiß um seine Schwäche und obwohl er nicht bereut, erkennt er doch seine Schuld: "Denn was ich tat, das schadete Amphitruo".
Alcumena ist die eigentliche Hauptperson des Stückes. Ihr erhabener Stil, ihre tugendhafte Haltung, die "Thebens Bürger rühmen ganz zu Recht", kann von keinem menschlichen Wesen befleckt werden. Dazu bedarf es schon göttlicher List. In der Mitte der Aufführung - gleichsam als Höhepunkt - singt sie das Hohelied der Tugend. "Die Tugend ist beste Belohung; die Tugend steht wahrlich viel höher als anderes. Die Tugend fasst alles in sich; alles Gute besitzt, wer die Tugend in sich trägt. - virtus praemium est optimum virtus omnibus rebus anteit profecto; virtus omnia in sese habet, omnia adsunt bona quem penest virtus." Sogar die Trennung von ihrem Mann würde sie als Entschädigung ihrer Kränkung ertragen. Juppiter erspart ihr die Demütigung der Entdeckung seiner Schandtat. Ob sie wohl jemals erfahren wird, wer der Vater von Hercules ist?