In der Reihe "Grundlagenwerke Baden-Württembergs" und im Rahmen des "Artenschutzprogrammes Baden-Württembergs" ist dieser fundierte und gewichtige Band erschienen, in dem außer den Bearbeitern und Herausgebern noch mehr als ein Dutzend Spezialisten Textbeiträge geliefert haben, von den unzähligen Kartierern und Informanten ganz zu schweigen. Dass diese zahlreichen Mitarbeiter namentlich aufgelistet werden, ehrt die Herausgeber. Denn in dem in derselben Reihe der Grundlagenwerke Baden-Württemberges erschienenen Band über "Die Säugetiere Baden-Württembergs" fand man die Namen derer, die ebensolchen Grundlagen zugearbeitet hatten, leider nicht - angeblich reichte der Platz dazu nicht aus...
Aus der Basis dieser Daten ist etwas Hervorragendes entstanden, angefangen bei den Fotos über die Verbreitungskarten bis hin zu den präzisen Texten, ein wahres Grundlagenwerk und ein Meilenstein des gebündelten Wissens über die Lurche und Reptilien des "Ländles". Dass dieses geballte Wissen auch möglichst ansprechend dargeboten wird, merkt man schon, wenn man das Inhaltsverzeichnis aufschlägt: Auf S. 8 ziert ein Foto der herzförmigen Pupille einer Gelbbauchunke, die aus einer von Wasserlinsen bedeckten Oberfläche ragt, diese nüchterne Information und wirbt so auf sympathische Weise gleich zu Beginn für den Charme unserer Amphibien.
Im allgemeinen Teil ist nichts vergessen, was zur Herpetologie Baden-Württembergs angeführt werden kann. Natürlich wird auch den verschiedensten Schutzaspekten breiter Raum gewährt.
Man findet auch für die Praxis äußerst hilfreiche Tabellen wie die auf S. 399, die die Unterscheidungs-Merkmale der drei Braunfrosch-Arten gegenüberstellt, wenn auch die beschriebenen hellgrün hinterlegten Zellen, die die entscheidensten Merkmale markieren sollen, vergeblich gesucht werden.
Von Alpensalamander (Salamandra atra) bis zum Nordamerikanischen Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) - einem der ebenfalls thematisierten "Aliens" inmitten der autochthonen Herptofauna, dessen Maul auf einem der Fotos größer ist als das des Kindes, das ihn hält - werden im speziellen Teil zunächst die Amphibienarten präsentiert. In bloßer Abhandlung der Biologie der einzelnen Arten erschöpft sich dieses Kapitel jedoch keineswegs, und in dem Beitrag über das Management von Amphibien-Lebensräumen findet man sogar Fotos von robusten Rinder-Rassen, die als große Pflanzenfresser nicht nur bestimmte Sukzessions-Stadien von Kleingewässern für Gelbbauchunke, Kreuzkröte, Laubfrosch und Wechselkröte schaffen und offfen halten, sondern mittels ganzjähriger Beweidung ein eng verzahntes Mosaik an Pflanzen-Beständen verursachen, um nur eine der zahlreichen vernetzten Thematiken zu nennen.
Von der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) bis zur Kälte liebenden Kreuzotter (Vipera berus) wird der aktuelle Wissensstand über die Reptilien des Landes dargestellt. Sogar die im Land äußerst seltene und punktuell vorkommende Aspisviper erhielt 12 Seiten Raum, der Text ist neben den üblichen Grafiken geziert von 9 Fotos.
Dieses Buch ist ein großer Wurf und gehört in die Hand jedes Herpetologen zumindest in Baden-Württemberg und zum eisernen Bestand jeder Amtsstube und jedes Planungsbüros, das sich mit Amphibien- und Reptilienschutz befasst.
Laufer, H., Fritz, K., Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. - Ulmer Verlag, Stuttgart. 807 Seiten, 286 Farbfotos, 65 Tabellen, 263 Diagramme und Zeichnungen, 41 Nachweiskarten, gebunden, ISBN 978-3-8001-4385-6.