Gerade kommt sie aus Köln zurück, dort hat sie mit der in Deutschland längst zur Institution gewordenen WDR-Big Band aufgenommen und Nicholas Payton, einen jungen Jazz-Trompeter aus New Orleans, kennen gelernt, der so begeistert von ihr war, dass er sie spontan zum Konzert in seine Heimatstadt eingeladen hat. So gibt die bestens gestimmte Jazz-Chanteuse, Cecile Verny, Ende April in den USA einen Gastauftritt in einer der Wiegen des Jazz. Überhaupt kann man das, was dem seit 20 Jahren existierenden und in der heutigen Formation seit 2001 zusammenspielenden Cecile Verny Quartett zur Zeit passiert, getrost einen Lauf nennen.
Seit'Got A Ticket'(1998), 'Metisse'(1999), 'Kekeli'(2002), aber sicher seit 'European Songbook'(2005) und 'The Bitter And The Sweet'(2006) haben sich die vier Vollblut-Musiker ganz an die Spitze des Jazz in Deutschland gespielt. Dabei schielen sie nicht auf zeitgeistige Effekthascherei oder buhlen um den Jazzvokalistinnen-affinen Massengeschmack, sondern gehen konsequent ihren ganz eigenen musikalischen Weg. "Am Anfang weiß man vielleicht nicht so genau, wo man hin will. Dann kommt die Erfahrung durch die vielen Auftritte und durch die eigene Entwicklung, die wir ja sozusagen mal vier machen, und so entsteht ein immer klareres Bild, gewinnen wir eine immer klarere Vorstellung von dem, was wir musikalisch machen wollen.", sagt Verny. Und genau diese Vorstellungen ergeben eine neue CD, 'Amoureuse' die einem schlicht vollkommen scheint. Beim ersten Hören überrascht, dass die 12 rundweg ausgezeichneten Tracks einem nur vordergründig ruhiger als bei 'The Bitter And The Sweet' vorkommen, denn die für den Rhythmus verantwortlichen, Bernd Heitzler am Kontrabass und Torsten Krill am Schlagzeug, ziehen in der so grandios eingespielten Formation, mit viel Drive und Spielwitz ganz eigene, hoch dynamische Kreise und zeigen beim superben Eröffnungstrack "Amoureuse" gleich, wo die Reise hin geht. "Zurzeit ist wichtig, dass wir uns nicht wiederholen, nicht nach Maschen greifen, nur weil die mal funktioniert haben. Wir wollen uns gegenseitig überraschen und entwickeln. So ist es dieses Mal tatsächlich rhythmischer geworden." Auch bei den eher kammermusikalischen "Kanakassi" und "Ta Question", sowie einer fast obligatorischen William Blake Vertonung "The Fly" hält sich der Pianist Andreas Erchinger eher zurück oder läst sich vom Drive der Rhythmusgruppe wohlig anstecken. Überhaupt ist es das schreibende und komponierende Duo Cecile Verny und Andreas Erchinger, die für den so eigenen Stil und Sound verantwortlich sind. Romantik und die schiere Lust an eindringlicher Lyrik im Text, wie in der Musik sind zum Markenzeichen dieses Quartetts geworden. Erchingers wunderbare Melodien und Harmonien, die er cool und mit virtuosem Spiel vorträgt, sind dem unverwechselbaren und so einfühlsam warmen, wie abwechslungsreich temperamentvollen Gesangsstil Vernys geradezu auf den Leib geschrieben. Ihre eigenen Texte auf dem Großteil der, vom Quartett durchweg selbst komponierten, Stücke zeugen von der Entwicklung, die Verny als Songschreiberin gemacht hat. Und da ist sie so ganz bei ihren afrikanischen Ursprüngen, die in der Elfenbeinküste geborene Französin huldigt der großen und alten Tradition des Griot. Die in Westafrika beheimatete Tradition, über Lieder und Musik, die Geschichte, die orale Literatur und Musik des eigenen Volkes zu bewahren und weiter zu geben, wird heute einem großen Weltmusik-Publikum nahe gebracht. Für Verny bedeutet es, wie auf "Amber Tears" oder "J'aime l'idee" oder "I Would..." sich über das vielschichtige Thema Liebe Gedanken zu machen. "Liebe ist (Gott-sei-Dank) nicht immer schön und alle Seiten können Inspirationsquellen sein. Texte sind wichtig für eine Sängerin, ich möchte Geschichten erzählen, Erfahrungen mit anderen teilen und mich den Fragen der Zuhörer stellen." So lebt diese liebenswürdige Künstlerin, die seit 12 Jahren glücklich verheiratet mit zwei Kindern in Umkirch bei Freiburg wohnt, ihre afrikanischen Wurzeln, ihre französische Kindheit und Ausbildung und ihre badisch-deutschen Erfahrungen einfach, sie sagt: "Das ist meine Normalität!". So spannend ist das ganze Projekt, das bei aller Nachdenklichkeit und Trauer immer wieder das Positive herausarbeitet, das einen lebensbejahenden Optimismus ausstrahlt, der einfach ansteckt. Hier haben vier Musiker ein Stück urbanen Jazz produziert, der sich überall auf der Welt bestens hören lassen kann und der ohne Zweifel den Höhepunkt des, sicherlich noch für viele Überraschungen offene, Schaffens des Cecil Verny Quartetts darstellt.