Ovid, über die Ars amatoria hatte ich berichtet, hat hier in dem Vorgänger ca. 50 Gedichte um die Liebe uns hinterlassen. Gedichte, die über den reinen Liebesgenuss (1,5) berichten, über Liebesschwüre (1,8) oder über Beschwerden, falls es Nebenbuhler gibt (3,8). Gedicht (1,8), eine Kupplerin gibt ihre Lehren preis, weisst bereits auf die Ars amatoria, wo die Liebeskunst gelehrt wird. Schon hier ist das längste Gedicht ein Lehrgedicht.
In drei Büchern hat Ovid seine Amores verfasst, die aufeinander aufbauen und eine Entwicklung der Liebe repräsentieren. Ist noch die beginnende Liebe voller Zuversicht und Lust, führt Zwist zur Ernüchterung und Desillusion, aber nie zu einer Aufgabe der Beziehung. Ovid teilt seine Herzenswünsche mit Corinna, sie ist seine Angebetete, wie später Petrarca seine Laura fand. Liebesmüdigkeit (2,9) wechselt mit neuer Bereitschaft (2,9b) und mündet in reiner Freude über die Liebeserfüllung (2,12).
Erfolglose Versuche, zur Geliebten zu gelangen (3,6 ; 3,11) finden sich im Buch 3, wie auch die prekäre Situation, eine Geliebte teilen zu müssen (3,4) während (3,1) und (3,14) Untreue und Indiskretion zusammen fallen lassen.
Ovid liebt die private Liebe, d.h. er wendete sich den persönlichen Dingen und Vorlieben zu. Keine politische oder sozialkritische Angelegenheit ist von ihm hören, wie es ein Vergil (Aeneis) oder ein Horaz (Carmenia) machten, sondern er wurde allein vom Diebstahl eines Versfusses geleitet (1,1) und musste, statt die gewohnten Hexameter verwenden zu können, ausweichen auf die erotischen Elegien in Distichen. Seine Amores sind der Liebe an sich zugewandt, keine Liebe durch Leid; ewige Treue und Liebe bis zum Tod ist wie Koitus und Exitus in einem.
Ein Genuss für den, der zwischen den Zeilen Ovidsche Gedanken und Phantasien entdecken kann. "Wer weiß nicht, was dann folgte?" (1,5 Z25)