Für mich und meine umfangreiche Vivaldi-Sammlung stellt diese Aufnahme eine ungeheure Bereicherung dar. In erster Linie natürlich wegen der Ersteinspielung dieser fünf Titel.
Ein großes Lob allen Beteiligten, denen es gelang, Vivaldis Musik in seinem Sinne zu interpretieren.
Stets hochsensibel begleitet das Orchester die hervorragende Sängerin, die ihren Sopran auch in höchsten Höhen voll zur Geltung bringt, die in der Lage ist, die Feinheiten der Musik herüberzubringen, auch ohne übermäßiges Kadenzieren. Somit bewahrt Simone Kermes ihre eigene
Individualität und zeigt uns hiermit Vivaldis Musik in seiner ganzen Größe. Besonders hervorzuheben ist die Interpretation der Arie "Combatta un gentil cor" mit hochsensibler Trompetenbegleitung.
Sicherlich hoffe nicht nur ich, dass die Arie "Ah, fuggi rapido" aus Ristoris Oper "Orlando", die Vivaldi 1713 aufführte und für die er einige neue Titel geschrieben hatte, auch von ihm komponiert ist, wenngleich Herr Ryom das vielleicht nicht so sieht.
Das gleiche gilt für die Arie "La farfaletta audace", die nicht autograph vorliegt, auch nicht ganz Vivaldis Stil entspricht, doch im Verzeichnis erscheint. Doch vielleicht haben wir es hier mit einer Entwicklungsstufe des Komponisten zu tun, die bisher relativ unbekannt war.
Das allerbeste in dieser Aufnahme jedoch ist die Arie "Sin nel placido soggiorno" aus der Oper "La fede tradita e vendicata", als einziges Lied dieser Oper erhalten, sicher eines der schönsten Lieder Vivaldis überhaupt.
Alles in allem eine sehr, sehr gelungene Aufnahme von großer Ausdruckskraft und voller weltlicher Liebe zu Antonio Vivaldi, der ich mich als Vivaldi- und Giro-Biographin anschließe.
Silvia Baumann
Autorin