Amoklauf und School Shooting ist an sich schon von der Thematik her keine leichte Kost, mit der man sich gründlich befassen mag. Zu sehr kommen da womöglich Erinnerungen an frühere Gewalttaten hoch. Und doch ist es sinnvoll und richtig, sich schon frühzeitig mit dem Thema zu befassen. So ist es gut, dass dieser Band sich nur auf gut 115 Buchseiten beschränkt, neben den Textpassagen mit einigen Graphiken und grau unterlegten Kästen versehen ist und von der Gliederung her sehr kleinteilig angelegt ist.
Herbert Scheithauer als Professor für Entwicklungs- und Klinische Psychologie sowie die Diplom-Psychologin Dr. phil. Rebecca Bondü haben eine breite Palette an Informationen zusammengetragen und liefern hierbei einen aktuellen Überblick über den Forschungs- und Wissenstand zu Amoklauf und School Shootings.
Jenseits von Schnellurteilen und einseitigen, nicht fundierten Aussagen zur Tätermotivation und zu Verantwortlichkeiten bzw. Ursachen im Umfeld liegt es dem Autorenpaar sehr am Herzen, klare, differenzierte Fakten darzulegen und Einschätzungen auf eine breite Kenntisgrundlage zu treffen.
Nach einer Definition und historischen Beschreibung von "School Shooting und Amok" wird statistisches und wissenschaftliches Material zur Häufigkeit von Amokläufen und School Shootings herangezogen.
Im Anschluss daran wird im über 40seitigen Hauptteil des Buches auf die vielfältigen Hintergründe von Amokläufen und School Shootings eingegangen. Hier wird Bezug genommen auf Alters- und Geschlechtsunterschiede, die familiären, sozialen, psychologischen und gesellschaftlichen Hintergründe.
Die individuellen Hintergründe und die Faktoren, welche die Auslösung einer Tat bedingen werden zusammen mit den Tatplanungen und dem "Leaking" sowie den Erklärungsmodellen differenziert dargelegt.
Ausgehend von dieser sehr differenzierten und gut verständlich verfassten Darstellung wird im letzten Buchkapitel auf die Präventionsansätze eingegangen und zudem die Hilfe für betroffene Opfer angesprochen.
Das Autorenpaar nimmt zudem differenziert Stellung zur Bedeutung von Waffen und gewaltverherrlichender Medien.
Beim über 6seitigen Literaturverzeichnis fehlt meines Erachtens der hilfreiche Titel "Der Riss in der Tafel". Zudem wäre es sinnvoll gewesen, hilfreiche Internetlinks als Liste im Anhang aufzuführen.
Ansonsten bietet das Fachbuch auf engem Raum eine Fülle an gut aufbereiteten, faktenorientierten Informationen und ist allen psychologischen Fachkräften an Schulen und anderen Entscheidungsträgern/-innen als Lektüre sehr zu empfehlen!