"Keine Panik auf der Titanic !" war das Motto der meisten Politiker oder Experten, als das Littleton -Syndrom nach Deutschland kam. Mit reichlich hilflosen oder banalen Aussagen wurden die scheinbar unbegreiflichen Amokläufe von Jugendlichen kommentiert. Götz Eisenbergs Buch geht den Wurzeln von kaltem Hass und extremen Gewaltausbrüchen nach und dies keineswegs nur mit dem "überholten" Instrumentarium (neo)marxistioscher Analyse, wie kritisiert wurde. Auch neue Erkenntnisse aus der Narzissmus-Forschung (Frühstörungen) werden u.a. herangezogen. Meines Wissens wurden noch nirgendwo die Verwüstungen in der psychischen Verfassung einer ganzen Generation so differenziert dargestellt. Die Kombination von emotionalen Mangelerfahrungen, materieller Verwöhnung und angstgetriebener Flucht in "virtuelle" Welten mit ihren gewalttätigen, ja mörderischen Botschaften sind der Hintergrund für jugendliche Gewalt. Man kann froh sein, dass es in einer Zeit oberflächlicher Talk-Show-Diskurse noch Bücher gibt, die tiefer bohren - auch wenn dies den Apologeten der "Modernisierung" peinlich ist.